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Kolumne "Total Digital": Die neuen Zeitwächter

Kolumne „Total Digital“ : Die neuen Zeitwächter

Facebook und Co. bieten Nutzern künftig die Kontrolle beim Zeitmanagement.

Wie süchtig sind Sie nach Ihrem Smartphone? Viele stellen für sich fest: Das sind Zeiträuber. Einige löschen Apps, andere erstellen strikte Auszeit-Regeln, wenn man sich im Freundes- und Familienkreis trifft. Oft gilt: Bann statt Selbstkontrolle. Das sind keine Einzelfälle, wie Nutzerdaten Google, Amazon, Facebook und Co. verraten. Im Silicon Valley gibt es eine Kehrtwende.

Vom Zeiträuber zum Zeitwächter. Bisher haben die Tech-Unternehmen ihre Dienste so programmiert, dass wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Wie ein Süßigkeiten-Produzent, der seine Kunden abhängig machen wollte. Jetzt hat die Tech-Szene die eigene Maxime verändert und setzt auf Qualität statt Quantität. Natürlich nicht ganz uneigennützig.

Zum Jahreswechsel hat Mark Zuckerberg beschrieben, dass viele Nutzer zwar viel Zeit auf Facebook verbringen, sich beim passiven Konsum von Inhalten aber schlecht fühlen. Als Reaktion wurden Videos ausgebremst und interaktive Gruppen bevorzugt. Nun hat Facebook angekündigt, dass Nutzer ihre eigene Zeit bei Instagram und Facebook messen und kontrollieren können. Nach dem Motto: lieber den Nutzern zumindest das Gefühl der Kontrolle geben, bevor gelöscht wird.

Die Frage ist jetzt: Wer wird der nächste große Zeitwächter? Facebook ist nicht der einzige Player, der sich mit Qualitätszeit beschäftigt. In der US-Tech-Szene ist eine lebhafte „Time well spent“-Bewegung entstanden. Wenn im August das neue Android-Betriebssystem von Google herauskommt, kann für alle Apps nicht nur die Nutzungsdauer gemessen, sondern auch ein Limit eingestellt werden. Apple wird im Herbst ähnliche Funktionen im neuen iOS-Betriebssystem freigeben.

Doch die spannendere Frage wird sein, wem die Nutzer das Zeitmanagement anvertrauen: den Plattformbetreibern wie Facebook oder den Herstellern ihrer Betriebssysteme? Das Rennen ist eröffnet.

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