Kolumne: Thyssen macht EU zum Sündenbock

Kolumne: „Hier in NRW“ : Thyssen macht EU zum Sündenbock

Nicht an Brüssel ist der Konzern gescheitert, sondern an seinen Managern.

Thyssenkrupp ist ein Konzern, der viel Übung darin hat, Missmanagement zu verdecken. Zum Beispiel von 2005 bis 2012, als die von Anfang an fehlgeplanten Stahlwerke in Übersee von Quartal zu Quartal teurer wurden, sich die Pannen beim Bau häuften und das Projekt schließlich gestoppt werden musste. Gleiches gilt für die Jahre 2013 bis 2018, als schlicht eine schlüssige Strategie fehlte, um den Konzern nachhaltig profitabel zu machen. Und auch jetzt wiederholt sich das Muster: Statt einzugestehen, dass die Fusion mit dem margenschwachen Stahlhersteller Tata und die Aufspaltung des kapitalschwachen Traditionskonzerns in zwei Teile so nicht funktioniert hätte, soll jetzt vor allem die EU-Kommission am Scheitern der Strategie schuld sein. Sie habe durch ihre Auflagen die Fusion mit Tata und damit den Zukunftsplan für Thyssenkrupp vereitelt.

Dabei war die EU-Prüfung gar nicht abgeschlossen. Vier Wochen hätte Thyssenkrupp mit den Wettbewerbshütern noch weiterverhandeln können. EU-Kommissarin Margrethe Vestager wies am Freitag auch klar darauf hin, dass die Zeit noch nicht abgelaufen war. Dies zeigt: Kompromisse wären durchaus möglich gewesen.

Insidern zufolge war aber die Kartellprüfung auch gar nicht der Grund für den abrupten Strategieschwenk. Sondern die schwache Performance der Sparten - siehe Quartalsbericht. Die Werterelation, auf der die Transaktion beruhte, ließ sich nicht mehr halten.

Perfide ist nun aber, dass Vorstandschef Guido Kerkhoff vorgibt, die EU-Kommission sei schuld am Scheitern der Fusion - und dass er gleichzeitig den Abbau von 6000 Jobs ankündigt. Das tut er so glaubhaft, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ihm sogar noch gut zuspricht.

So kurz vor der Europawahl sendete der Thyssenkrupp-Chef damit ein fatales Signal.

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