Kolumne: SPDpur sorgt nur wegen der Konzeptlosigkeit der Partei für Debatten

Kolumne „Hier in NRW“ : Retro-SPD macht von sich reden

Mit Sigmar Gabriel hat die Bewegung „SPDpur“ ihr bislang prominentestes Mitglied gewonnen. Was ist die Stärke der Retro-Sozialdemokraten, die vor allem einen Linksruck und die Abkehr von den Angenda-Reformen befürchten? Ihre Stärke ist die Konzeptlosigkeit der anderen. Viel mehr als „Retro“ hat die SPD derzeit nicht zu bieten.

Anfangs sah es nur wie ein weiteres Störfeuer aus, mit denen die SPD sich seit Monaten selbst zerlegt. Und nicht einmal wie eins, das viel Aufmerksamkeit verdient: Eine Truppe meist ausgedienter Landes- und Kommunalpolitiker um den ehemaligen NRW-Landeschef Michael Groschek, die der aktuellen sozialdemokratischen Führung unter dem hochtrabenden Titel „Die wahre SPD“ die Leviten lesen will und große Angst vor einem Linksruck der SPD und einer Abkehr von den Agenda-Reformen hat. Als die überwiegend älteren Herren sich schon wenige Wochen nach ihrer Gründung in „SPDpur2030“ umbenannten und damit ihre erste Selbstkorrektur einräumen mussten, schien die Retro-Truppe schon wieder Geschichte zu sein.

Weit gefehlt. Ende vergangener Woche schloss sich mit Ex-Bundeschef Sigmar Gabriel einer der bekanntesten Sozialdemokraten überhaupt der Initiative an. Mit dieser Personalie machten Groscheks Puristen prompt bundesweit von sich reden - was der „offiziellen“ NRW-SPD in den vergangenen Jahren nicht besonders oft gelungen ist.

Seither läuft die parteiinterne Lästermaschine mit gewohnter Effizienz. Der bekannte Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der selbst SPD-Bundesvorsitzender werden möchte, warnt im „Kölner Stadtanzeiger“ vor neuen „Unter-SPDen“. Und die ehemalige NRW-Familienministerin Christina Kampmann, die natürlich auch SPD-Bundesvorsitzende werden will, forderte in der WAZ „einen fairen und respektvollen Umgang statt weiterer Spaltungen“.

Offenbar hat die Retro-Truppe in einem aktuellen Forderungskatalog einen wunden Punkt getroffen: „Alle, die jetzt Führungsverantwortung übernehmen wollen, sollten ihre Kandidatur inhaltlich begründen.“ Die Linksruck-Warnungen der Altvorderen werden in der Partei gegenwärtig jedenfalls breiter diskutiert als die Sanierungskonzepte von Kampmann und Lauterbach. Wofür - außer für Retro - steht die SPD eigentlich noch?

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