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Kolumne "Mit Verlaub!": Wattebäusche und Schäfchenwolke

Kolumne „Mit Verlaub!“ : Wattebäusche und Schäfchenwolke

Die Kunst der öffentlichen Rede ist nicht jedem gegeben. Ein Bundespräsident muss sie beherrschen.

Fragen über Fragen in diesen Tagen:

1) Gehören Sie auch zu denen, die sich einmal einen Aufstand der Anständigen – gerne auch als ein weiteres Platzkonzert hochsensibler Rock- und Popsänger – gegen die verbreitete Lust am Messerstechen wünschen? 2) Finden Sie es auch unpassend, dass musizierende Antifa-Linke aus Meck-Pomm gegen alles, was „Rechts“ ist, angrölen? 3) Ist es womöglich Teil der Bunten Republik Deutschland, dass sich der Bock zum Gärtner erklärt und gerade deshalb blühende Landschaften verspricht? 4) Was sagt eigentlich unser Staatsoberhaupt an Tagen wie diesen?

Zur letzten Frage zitiere ich eine chilischarfe Bemerkung des ehemaligen Richters am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, dessen Kolumnen tiefe Einschlaglöcher hinterlassen. Fischer, den ein Düsseldorfer Staranwalt einmal als den klügsten Juristen Deutschlands bezeichnet hat, schreibt sinngemäß über Frank-Walter Steinmeiers Redebeiträge: diese seien derart inhaltsfrei, dass sie selbst an vergleichbar inhaltsleeren Äußerungen anderer zerschellten wie Wattebäusche an einer Schäfchenwolke.

Wenn man es genau betrachtet, haben wir ja derzeit zwei oberste Verfassungsorgane – den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin –, deren öffentliche Reden an Kaufhausmusik erinnern, wie es der Autor Gabor Steingart einmal ausdrückte: man vernimmt irgendetwas, aber es dringt nichts ins Ohr.

Stellen Sie sich bitte die Frage, ob Sie jemals eine Rede von Frank-Walter Steinmeier vernommen haben, die nicht „hier rein und da raus geht“, wie der Volksmund spricht. Nur ein Beispiel: Der Erste im Staat müsste doch jetzt, wo so viele Übelmeinende das Märchen vom Nazi-affinen Freistaat Sachsen unters Volk zu bringen versuchen, dieses wunderbare und ziemlich erfolgreiche Bundesland im Osten mit nachhaltig wirkenden Worten in Schutz nehmen vor pauschaler Verunglimpfung. 

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