IQB-Ländervergleich: Alarm am Gymnasium

Kolumne: Gesellschaftskunde : Alarm am Gymnasium

Die Leistungen sinken, auch und gerade an der Schulform, die wie keine zweite für Deutschlands Zukunftsfähigkeit verantwortlich ist. Wer den Negativtrend stoppen will, braucht mehr Verbindlichkeit beim Übergang von der Grundschule – und mehr Geld.

Diese Ranglisten sind ja auch wirklich verführerisch. Jüngst wieder beim Bildungsvergleich der Bundesländer, der mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten der Neuntklässler untersuchte: Das große Interesse galt der Frage, wer auf- und wer absteigt. Das ist durchaus wichtig, weil daraus politischer Druck entsteht – eine andere Entwicklung aber droht in den Hintergrund zu geraten, die alle Länder betrifft: Die Leistungen am Gymnasium sind deutlich schlechter geworden. Und das ist ein Alarmzeichen. Nicht weil Gymnasiasten wertvoller wären als Real- oder Hauptschüler, sondern weil gerade am Gymnasium, das die Akademiker ausbilden soll, die Grundlagen für Deutschlands Zukunftsfähigkeit gelegt werden.

Viel schwieriger als die Diagnose ist die Ursachensuche. Dass die Leistungen sänken, nur weil mehr Grundschüler ans Gymnasium kommen – so einfach ist es nicht, denn die Übergangsquoten sind seit der letzten Erhebung nicht deutlich gestiegen. Gewachsen ist allerdings der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund, also die Heterogenität am Gymnasium. Und es ist auffällig, dass mit Sachsen, Thüringen und Bayern drei Länder vorne liegen, die noch auf die verbindliche Grundschulempfehlung setzen oder zumindest auf harte Auswahlkriterien, etwa auf Probeunterricht. Mit anderen Worten: in denen die Eltern nicht ohne Weiteres das letzte Wort über die Wahl der weiterführenden Schule haben.

Wenn Qualität des Unterrichts und der Bildung die Maxime ist (was sonst?), dann darf mehr Verbindlichkeit beim Übergang kein Tabu sein. Wer Qualität will, muss aber auch genügend Lehrer ordentlich ausbilden – Seiteneinsteiger sind kein Konzept, sondern eine Notlösung – und die Schulen ausreichend ausstatten. Dann klappt’s auch mit den Ranglisten.

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