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Hier In Nrw: Wo der Rhein in die falsche Richtung fließt

Hier In Nrw : Wo der Rhein in die falsche Richtung fließt

Vor genau 60 Jahren schrieb ein Gesetz die Gestaltung von Flagge und Wappen des Landes NRW verbindlich vor. Das war auch Ausdruck eines größeren Selbstbewusstseins an Rhein und Ruhr.

Was ist grün-weiß-rot und quer gestreift? Wer jetzt an Italien denkt, liegt haarscharf daneben. Denn die italienische Trikolore ist längs gestreift. Die Landesflagge von Nordrhein-Westfalen hat dagegen grün-weiß-rote Querstreifen. Das wurde auch so in einem Gesetz festgelegt. Es ist vor 60 Jahren, am 10. März 1953, in Kraft getreten. Die FDP wollte damals Schwarz-Rot-Gold auch für NRW, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Das Grün, so wurde im Landtag erläutert, stehe für das Rheinland und das Rot für die rote Erde Westfalens.

Das Gesetz von 1953 bestätigt zugleich die Gestaltung des Landeswappens: Es zeigt im linken Feld einen "linksschrägen"silbernen Wellenbalken, der den Rhein symbolisiert. Dass der Flusslauf in die falsche Richtung weist, nämlich von Südwest nach Nordost, ist keine Schludrigkeit des Wappengestalters, sondern den Regeln der Heraldik geschuldet. Im rechten Feld ist das traditionelle westfälische Ross zu sehen und unten im Wappenschild die lippische Rose.

Dieses Wappen wurde schon seit 1948 verwendet. Dass das Land fünf Jahre später für Flagge und Wappen extra ein Gesetz verabschiedete, kann man als Ausdruck eines gewachsenen Selbstbewusstseins in dem von den Briten 1946 gebildeten "Bindestrichland" Nordrhein-Westfalen werten.

Ministerpräsident Franz Meyers (CDU) unternahm in den 60er Jahren einen weiteren Anlauf, um das Landesbewusstsein zu stärken: Er wollte einen Landesorden stiften, stieß damit aber selbst in den eigenen Reihen auf Widerstand. Erst sein Nachnachfolger Johannes Rau (SPD) hatte damit Erfolg.

Häufiger als das originäre Landeswappen wird im amtlichen Schriftverkehr jedoch ein vereinfachtes "Wappendesign" verwendet. Scheußlich finden das manche Zeitgenossen, die auch nichts mit dem 2007 eingeführten quadratischen "Wappen-Logo" anfangen können. Auch der Landesjagdverband würde lieber das "richtige" Wappen an seine Uniform heften. Er wurde aber gestoppt, weil Jägern vorgeworfen worden war, es missbräuchlich verwendet zu haben.

Und was ist mit dem Landesbewusstsein? Kaum jemand, der sich als "Nordrhein-Westfale" oder gar als "Nordrhein-Westfälinger" bezeichnet, wie es der frühere Ministerpräsident Wolfgang Clement mitunter getan hat. Bei uns kommt man aus dem Rheinland oder aus Westfalen. Dennoch hat die Parole der SPD "Wir in NRW" seinerzeit gezündet. Ein gewisses "Wir-Gefühl" hat sich an Rhein und Ruhr fraglos herausgebildet, auch wenn wir vom bayerischen "Mia san mia" wohl noch meilenweit entfernt sind.

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(RP)