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Kolumne: Hier In Nrw: Warum gingen so wenige Kölner zur Wahl?

Kolumne: Hier In Nrw : Warum gingen so wenige Kölner zur Wahl?

Mit 40 Prozent war am Sonntag die Wahlbeteiligung in Köln passabel, aber angesichts der besonderen Umstände nach dem Anschlag auf Henriette Reker doch enttäuschend niedrig.

Die Nachricht vom Messer-Attentat auf Henriette Reker hat wie so viele Menschen auch mich am Samstagmorgen erschüttert. Noch eine Woche zuvor hatte ich die parteilose Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin im Straßenwahlkampf erlebt. Sie war freundlich, aber eher zurückhaltend gegenüber Passanten, die sie ansprachen und ihr ihre Problemchen schilderten. Die einen beschwerten sich über fehlende Toiletten, die anderen über mangelnde Parkplätze. Frau Reker hörte aufmerksam zu.

So ähnlich war es wohl auch am vergangenen Samstag, als Reker Rosen an Passanten verteilte. Dabei sprach sie ein Mann an, bat um eine Blume - und stieß ihr dann ein langes Messer in den Hals. Man ist fassungslos angesichts eines solch hinterlistigen Verbrechens. Es war jedoch eindrucksvoll zu sehen, wie viele Menschen noch am selben Tag vor dem Kölner Rathaus ihre Solidarität mit Henriette Reker bekundeten. Nach dem entschlossenen Aufruf "Nun erst recht", den auch Politiker aller Parteien dem feigen Anschlag entgegensetzten, durfte man hoffen, dass auch die Kölner Bürgerschaft ein kraftvolles Zeichen lebendiger Demokratie setzen würde. Die Oberbürgermeister-Wahl am Sonntag wäre dazu die beste Gelegenheit gewesen.

Doch die Wahlbeteiligung war mit gerade mal 40 Prozent enttäuschend niedrig. Sicher: Bei der Oberbürgermeister-Stichwahl in Essen machten nur 27 Prozent der Wahlberechtigten mit. Im Vergleich dazu sind 40 Prozent zwar passabel, aber angesichts der besonderen Situation in der Domstadt eben doch viel zu wenig.

Welchen Schluss soll man aus dem generellen Nichtwahl-Verhalten ziehen? Vielen Menschen ist es offenbar völlig egal, wer an der politischen Spitze ihrer Stadt steht; anderen ist der Urnengang vielleicht zu unbequem. Man kann nun zwar über neue Wege nachdenken, etwa Wahlen per Internet zu ermöglichen. Wenn man aber bedenkt, dass noch im 19. Jahrhundert Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um in Deutschland freie Wahlen durchzusetzen, stellt die sich ausbreitende Wahlmüdigkeit doch ein geistiges Armutszeugnis dar.

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(RP)