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Kolumne: Hier In Nrw: Von Beuys bis Pater Leppich

Kolumne: Hier In Nrw : Von Beuys bis Pater Leppich

Ein ungewöhnlicher Reiseführer quer durch die fünf Regierungsbezirke Nordrhein-Westfalens verweist auf bekannte Persönlichkeiten des Landes, aber auch auf Plätze, die traurige Berühmtheit erlangten.

Die Jüngeren können wohl kaum etwas mit dem Namen Pater Leppich anfangen. Die älteren Zeitgenossen erinnern sich vielleicht: Das war jener Geistliche, der wegen seines flinken Mundwerks und seiner scharfen Attacken "Maschinengewehr Gottes" genannt wurde. Wenn er auf öffentlichen Plätzen predigte, strömten die Menschen herbei. Diejenigen, die eine gepfefferte Attacke auf "die" Politik oder den Moralverfall der Gesellschaft erwarteten, wurden nicht enttäuscht: Pater Leppich knöpfte sich alle vor. In Bonn wetterte er 1957 gegen "verfettete Kirchgänger"; in Bochum hörten ihm trotz Regens 22 000 Menschen zu.

An diesen Jesuiten, der 1992 in Münster starb, erinnert der Historiker Peter Henkel in seinem kulturellen Reiseführer, der ungewöhnliche Akzente setzt und mit lesenswerten Kurzbiografien aufwartet. Etwa über Anton Betz (1893-1984), den Gründungsherausgeber der Rheinischen Post, über Heinz Kaminski (1921-2002), den langjährigen Leiter der Sternwarte Bochum, oder über Heinrich Lübke (1894-1972), den ehemaligen NRW-Ernährungsminister und späteren Bundespräsidenten. Natürlich findet sich in dem Büchlein "Nordrhein-Westfalen 1946 bis heute" (Christoph-Links-Verlag, 123 Seiten, 14,90 Euro) auch ein Beitrag über den Kölner Kardinal Joseph Frings (1887-1978), gewissermaßen den Erfinder des "Fringsens". Gemeint war damit die augenzwinkernde Absolution für den notlagenbedingten Kohlen- und Kartoffelklau in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren.

Henkel führt seine Leser auch zu Straßen, die traurige Berühmtheit erlangten - etwa die Kölner Keupstraße, auf der am 9. Juni 2004 eine Nagelbombe viele Menschen verletzte. Der Anschlag wird dem rechtsterroristischen NSU zugeschrieben. Erwähnt wird auch das ehemalige Wohnhaus der türkischstämmigen Familie Genç in Solingen, auf das 1993 ein Brandanschlag verübt wurde, dem fünf Menschen zum Opfer fielen. Andere Beiträge befassen sich mit der großen Moschee in Duisburg-Marxloh, der Villa Hügel und der Zeche Zollverein.

Der Autor erinnert bei seinen Streifzügen durch die fünf Regierungsbezirke auch daran, dass der Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, Joseph Beuys (1921-1986), 1972 vom damaligen NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau (SPD) fristlos entlassen wurde, weil er zum wiederholten Mal abgelehnte Kunststudenten aufgenommen hatte.

Dass Thomas Freytag, Matthias Riechling, Volker Pispers und Harald Schmidt ihre Karriere im Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" starteten, kann man in diesem unterhaltsamen Reiseführer ebenfalls nachlesen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)