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Kolumne: Hier In Nrw: Stammzellen-Forschung in München statt Münster

Kolumne: Hier In Nrw : Stammzellen-Forschung in München statt Münster

Im jahrelangen Tauziehen um das wichtige medizinische Forschungsprojekt Care könnte NRW jetzt ins Hintertreffen geraten. Die Bayern lachen sich ins Fäustchen.

Der Wirbel war groß, als sich der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) bei einem Besuch in Israel für die Forschung mit (vorhandenen) embryonalen Stammzellen aussprach. Clement, der als "Macher" in die Landesgeschichte eingehen wollte, verprellte damit nicht nur viele Menschen, die ethische Bedenken hatten, sondern er konterkarierte mit seinem Vorpreschen auch den in dieser Hinsicht eher zurückhaltenden Kurs von Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Das ist lange her. Inzwischen sind auch in NRW Forschungseinrichtungen damit beschäftigt, herauszufinden, wie normale Körperzellen in "Alleskönner"-Stammzellen umgewandelt werden können. In Münster sollte dafür sogar ein neues Forschungszentrum mit Namen Care entstehen. So hatten es SPD und Grüne 2012 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Doch schon ein Jahr später verkündete NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) das Aus. Es sei nicht abzusehen, dass Care jemals auf eigenen Füßen stehen könne; deswegen habe der sorgsame Umgang mit Steuergeld Vorrang. Das bedeutete: Das Land sperrte die bereits eingeplanten 15,7 Millionen Euro.

Danach wurde es still um Care - bis jetzt plötzlich die Bayern großes Interesse signalisierten. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, 15 Millionen Euro für drei Jahre zur Verfügung stellen zu wollen; die endgültige Entscheidung fällt in diesem Monat im bayerischen Landtag. Denkbar, dass die Care-Forscher um den Münsteraner Wissenschaftler Hans Schöler bereits 2017 in München an die Arbeit gehen können.

Da fragt man sich: Was treibt die Bayern an? Ganz offenbar beurteilen sie die Stammzellen-Forschung weitaus optimistischer als NRW, das bei Care nur die Risiken sieht. Es wäre aber ein Durchbruch in der Medizin, wenn es gelänge, eine Körperzelle in eine Stammzelle umzufunktionieren, aus der sich dann beispielsweise eine Hautpartie gewinnen ließe.

Was bleibt, ist daher ein fahler Beigeschmack. Es drängt sich der Verdacht auf, als stelle NRW den Forschern mitunter Hürden in den Weg, während Bayern sie eilig wegräumt. In München wird man sich wohl ins Fäustchen lachen.

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(RP)