1. Politik
  2. Deutschland
  3. Kolumnen
  4. Hier in NRW

Kolumne: Hier In Nrw: Obszönitäten frei ab sechs Jahren

Kolumne: Hier In Nrw : Obszönitäten frei ab sechs Jahren

Die Einstufung von Kinofilmen in die Kategorie "Frei ab sechs Jahren" ist nicht immer unproblematisch. Wer den sehenswerten Streifen "Honig im Kopf" kennt, weiß, was gemeint ist.

Das Statistische Landesamt ermittelt alljährlich massenhaft neue Zahlen. So wissen wir zum Beispiel, dass in Nordrhein-Westfalen 2013 rund 5,7 Millionen Kubikmeter Frischbeton hergestellt wurden und in etwa 7,2 Millionen Haushalten ein Internetzugang vorhanden ist. Erfreulich: Ein in NRW geborenes Mädchen kann damit rechnen, rein statistisch 82 Jahre und vier Monate alt zu werden; bei Jungen sind es immerhin 77 Jahre und sechs Monate.

Die Menschen werden immer älter, doch es gibt eine Kehrseite dieser positiven Entwicklung: Auch in NRW nehmen die Fälle von Demenzerkrankungen (Alzheimer ist die bekannteste Form) deutlich zu. Was dies im Einzelnen für die Angehörigen bedeutet, ist Außenstehenden kaum zu vermitteln. Oder doch? Der derzeit laufende Kinofilm "Honig im Kopf" gibt davon einen bemerkenswerten Eindruck. Hervorragend sind die schauspielerischen Leistungen des eher als Ulknudel bekannten Hauptdarstellers Dieter Hallervorden sowie von Emma, der zwölfjährigen Tochter des Regisseurs Til Schweiger. Ein Film, der unter die Haut geht, wenn etwa der verwirrte Opa den Kühlschrank unbekümmert als Urinal benutzt.

Keine Frage: "Honig im Kopf" ist sehenswert - aber nicht für Kinder. Der Film enthält derbe Kraftausdrücke und zotige Gesten, die man ihnen nicht zumuten sollte. Unverständlich, warum die "Freiwillige Selbstkontrolle" (FSK) ihn dennoch in die Kategorie "ab sechs Jahren" eingestuft hat.

Man stelle sich nur vor, dass ein Sechsjähriger den Streifen sieht und hört, wie darin eine altersverwirrte Frau einem Mann ordinärste "Angebote" macht. Was sagt man dem Kind, wenn es erklärt haben will, was das bedeutet? Vertagt man die Debatte in der Hoffnung, dass nach Filmende alles wieder vergessen ist? Man muss gewiss kein Moralapostel sein, um die Ansicht zu vertreten, dass man Kinder vor Obszönitäten bewahren sollte. Kinder sollen Kinder sein und genug Zeit zum Spielen haben. Eltern sollten sie nicht aus falschem Ehrgeiz von einer Freizeitaktivität zur anderen bringen. Kinder sollen nicht mit "Events" vollgestopft werden - aber auch nicht mit Zoten unter der Gürtellinie. Die Mädchen und Jungen leben ohnehin nicht unter einer Käseglocke und bekommen schon genug Dinge aus der Erwachsenenwelt mit, die man ihnen erklären muss. Da bedarf es keiner zusätzlichen "Impulse" durch das Kino.

Die FSK-Einstufung "ab sechs" ist keine Garantie dafür, dass ein Film unbedenklich fürs kindliche Gemüt ist. Das sollte unbedingt bedacht werden, bevor sich Alt und Jung gemeinsam ein paar schöne Stunden im Kino machen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)