1. Politik
  2. Deutschland
  3. Kolumnen
  4. Hier in NRW

Kolumne: Hier In Nrw: Minister Jäger und die Arnsberger Provinzposse

Kolumne: Hier In Nrw : Minister Jäger und die Arnsberger Provinzposse

Das brachiale Vorgehen gegen Regierungspräsident Gerd Bollermann hat Spekulationen über dessen Entmachtung ausgelöst. Doch jetzt ist er wieder an seinem Schreibtisch- aber nur noch für ein paar Wochen.

Hand aufs Herz: Könnten Sie auf Anhieb sagen, wer Regierungspräsident von Düsseldorf ist? Kleine Hilfe: Es ist eine Kölnerin. Anne Lütkes heißt sie. Der Grünen sagt man nach, sie hätte 2010 viel lieber die Bezirksregierung Köln übernommen. Nächstes Jahr scheidet die jetzt 67-jährige Spitzenbeamtin aus. Wer ihr nachfolgt, ist unklar. Im Gespräch ist die Düsseldorferin Monika Düker (ebenfalls Grüne). Doch ob sie - so kurz vor der Landtagswahl 2017 und einem nicht ganz auszuschließenden Regierungswechsel - Interesse daran hat, ist zweifelhaft.

Denn ein Regierungspräsident (in NRW gibt es fünf) kann jederzeit ohne Nennung von Gründen abgesetzt werden. Einen Vorgeschmack davon hat jetzt der Regierungspräsident von Arnsberg bekommen. Kenner wissen: Es handelt sich um den Sozialdemokraten Gerd Bollermann, der für die Verteilung der Flüchtlinge in NRW zuständig war. Manche behaupten, er sei damit überfordert gewesen. Möglicherweise war auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) dieser Ansicht. Als sich Bollermann vor wenigen Wochen in den Urlaub verabschiedete, setzte Jäger kurzerhand einen hohen Beamten seines Hauses auf Bollermanns Stuhl und betraute ihn "bis auf weiteres" mit den Aufgaben des Regierungspräsidenten. Bollermann erfuhr kurzfristig davon und witterte Entmachtung.

So richtig wollte das der Innenminister zwar nicht dementieren. Inoffiziell hieß es jedoch, der Arnsberger Regierungspräsident könne doch nicht in Urlaub gehen, während die Unterbringung der Flüchtlinge immer chaotischer zu werden drohe. Ganz abgesehen davon, dass Bollermann einen Vertreter hat, der sich von Jägers Brachialakt ebenfalls düpiert fühlen musste, war es der für das Flüchtlingswesen zuständige Innenminister selbst, der sich trotz der Hiobsbotschaften aus den Heimen ebenfalls eine Auszeit gönnte. Seinen Urlaub musste er allerdings für eine Sondersitzung des Landtags unterbrechen. In dieser Sitzung wurde ihm von der Opposition sein ruppiges Verhalten gegenüber Bollermann unter die Nase gerieben.

Jäger reagierte pikiert, betonte aber, von einer Absetzung, wie gemutmaßt wurde, könne keine Rede sein. Tatsächlich tauchte Bollermann am Freitag wieder an seinem Schreibtisch in Arnsberg auf. Seine "Urlaubsvertretung" leitet nun eine Flüchtlingsarbeitsgruppe. Das nennt man wohl eine Provinzposse.

Ist jetzt alles wieder in bester Ordnung? Wohl nicht. Jäger hat sich wie ein Elefant im Porzellanladen benommen. Warum er Bollermann auf den letzten Metern wegmobben wollte, bleibt unerfindlich. Schließlich geht der Mann Ende August in den Ruhestand.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)