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Kolumne: Hier In Nrw: Manche Museen vergrätzen Familien

Kolumne: Hier In Nrw : Manche Museen vergrätzen Familien

Es gibt zahlreiche verlockende Angebote in den Museen. Doch die Eintrittspreise sind sehr unterschiedlich. Familien, die mit jedem Euro rechnen müssen, fragen sich, warum das so ist.

Neulich erzählte eine Lehrerin, dass in ihrer Klasse (viertes Schuljahr) etliche Schüler seien, die noch niemals mit ihren Eltern in einem Museum gewesen sind. Das ist schade, denn Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche Museen, in denen es Spannendes zu entdecken gilt. Häufig werden für Kinder und Jugendliche Führungen und Veranstaltungen zum Mitmachen angeboten. Keine Angst also vor dem Museum, auch wenn das Wort bei manchen Erwachsenen ungute Erinnerungen an die eigene Kindheit wecken mag.

Nehmen wir zum Beispiel das Industriemuseum in Oberhausen. In diesem Jahr offeriert es "spektakuläre Phänomene rund um die Materialien Papier, Stahl und Textil an Mitmachstationen experimentell-interaktiv". Das klingt ebenso verlockend wie die Preisgestaltung: Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei; der Normaltarif für Erwachsene beträgt 4,50 Euro. Oder begeben wir uns in das Neanderthal-Museum im Kreis Mettmann. Jeder Besucher erhält einen Kopfhörer, über den er kind- oder erwachsenengerechte Erläuterungen zur Frühgeschichte der Menschheit abrufen kann. Kinder können interaktiv weiterforschen und sich als Hobby-Archäologen an die Freilegung eines menschlichen "Skeletts" begeben.

Das spielerisch vermittelte Wissen um das Leben unserer fellbekleideten Vorfahren möchte man allen Kindern wünschen. Eltern, die mit jedem Euro rechnen müssen, dürften die Eintrittspreise - Erwachsene zahlen elf Euro für Dauer- und Sonderausstellung, Kinder 6,50 Euro - als ziemlich hohe Hürde empfinden, auch wenn es für Familien einen Rabatt von 20 Prozent sowie günstige Tarife für Kinder- und Jugendgruppen gibt.

Dass die Eintrittspreise recht hoch sind, kritisieren Besucher im Internet. Das Neanderthal-Museum beteuert, keinen Spielraum zu haben, da man sich zum allergrößten Teil durch Ticketverkauf und Museumsshop finanziere. Der Kreis Mettmann steuert lediglich einen Zuschuss zu den Betriebskosten von 20 Prozent bei. Das Museum in Oberhausen hat demgegenüber den Rückhalt des Landschaftsverbandes Rheinland und kann weitaus publikumsfreundlicher kalkulieren. Dahinter steckt auch die politische Absicht, jungen Leuten Bildung kostenfrei zu ermöglichen.

Von einem Besuch im Neandertal sollte man sich dennoch nicht abhalten lassen, sondern vielmehr bedenken, dass ein Kinobummel ebenfalls arg ins Portemonnaie geht, ganz zu schweigen von der um ein Vielfaches teureren Kirmes oder den Vergnügungsparks.

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(RP)