1. Politik
  2. Deutschland
  3. Kolumnen
  4. Hier in NRW

Hier In Nrw: Kommt Fracking doch noch durch die Hintertür?

Hier In Nrw : Kommt Fracking doch noch durch die Hintertür?

Rund 60 Prozent der Landesfläche von NRW sind als potenzielle Fördergebiete für Erdgas ausgewiesen. Kritiker befürchten, dass sich US-Energie- unternehmen über das Freihandelsabkommen Zugang zu ihren Feldern verschaffen könnten.

Die Krim-Krise nährt in Deutschland, das von russischem Gas abhängig ist, Zweifel an einer gesicherten Energieversorgung. Das wiederum könnte den Verfechtern der Gewinnung von heimischem Gas aus tiefen Gesteinsschichten – des sogenannten Frackings – neuen Auftrieb geben. Das rot-grün regierte Niedersachsen nähert sich dem Fracking derzeit jedenfalls behutsam.

Darum geht es: Unter hohem Wasserdruck soll bei Zugabe von Sand und Chemikalien das in einer Tiefe ab 1000 Meter befindliche Gestein aufgebrochen ("gefrackt") werden, um das eingeschlossene Gas freizusetzen.

Das Kapitel Fracking ist wohl auch in NRW noch nicht vom Tisch, obgleich Rot-Grün 2012 klargestellt hat, dass es diese Methode unter Einsatz von Chemikalien nicht geben wird. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat sich im vergangenen Jahr in Kanada eine Fracking-Bohrstelle angeschaut und gelangte zu der Einschätzung, dass für einen so dicht besiedelten Raum wie NRW diese Art der Energiegewinnung nicht infrage komme.

Dennoch wird die Energiewirtschaft wohl nicht lockerlassen, sondern möglicherweise mit Hilfe der Kommunen (denen Profite winken) versuchen, eine Bohrgenehmigung zu erlangen. Schließlich handelt es sich um ein gigantisches Geschäft. Längst haben große Unternehmen in NRW ihre Fördergebiete abgesteckt. Betroffen sind rund 60 Prozent der Landesoberfläche. Auf der Internetseite der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg ist die entsprechende Karte zu sehen.

Man muss Fracking nicht grundsätzlich verteufeln. Möglicherweise steckt darin auch eine große Chance. Aber Chemikalien in die Erde zu pressen, kann nicht die Lösung sein. Dennoch hoffen die Unternehmen auf freie Hand. Kritiker befürchten, dass ihnen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU dazu eine Handhabe bieten könnte, da es dabei auch um den Investitionsschutz gehen soll. Der Grünen-Politiker Reiner Priggen schlägt Alarm: Auf der Basis dieses Abkommens könnte ein US-Unternehmen versuchen, sich die Erlaubnis für Fracking in NRW zu verschaffen. Die juristische Auseinandersetzung fände dann nicht vor einem deutschen Gericht, sondern vor einer Schiedsstelle statt. Ob es so weit kommt, ist aber ungewiss.

Anfang dieser Woche hat sich der Bauausschuss der Stadt Viersen gegen Fracking ausgesprochen. Ein klares Signal. Allerdings: Nach Einschätzung von Experten ist im gesamten Stadtgebiet Fracking gar nicht möglich.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)