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Kolumne zur Landtagswahl in NRW 2017: Umfragen mit Vorsicht zu genießen

Kolumne: Hier in NRW : Umfragen mit Vorsicht zu genießen

Je nach Institut können die Parteien mit unterschiedlichen Werten rechnen. Treffsicher sind die Umfragen, die am Wahltag nach der Stimmabgabe durchgeführt werden.

Politiker neigen dazu, eine Wahlumfrage, die für sie unangenehm ist, als bloße "Wasserstandsmeldung" ohne besonderen Prognosewert abzutun. Die einzigen, die sich in diesem NRW-Wahlkampf öffentlich zu ihren miserablen Zahlen bekannt haben, sind die Grünen. Mit einem "Weckruf" hat ihre Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann versucht, ein Abdriften ihrer Partei unter die Fünf-Prozent-Hürde zu verhindern.

Wie aussagekräftig aber sind Umfragezahlen überhaupt? Man erinnert sich: Noch wenige Tage vor der NRW-Wahl 2012 lagen alle renommierten Institute völlig falsch. Sie hatten der CDU 30 Prozent und mehr vorausgesagt, doch am Ende waren es karge 26,3 Prozent.

Einen krassen Fall von Abweichung gab es erst unlängst: Während die Meinungsforscher von Infratest die NRW-CDU bei 34 Prozent sahen, sagte ihr das Kölner Institut YouGov nur 27 Prozent voraus. Sieben Punkte Unterschied - wie kann das sein, obwohl es sich beide Male um repräsentative Umfragen mit 1000 Teilnehmern handelte?

Während die anderen Institute die Bürger auf dem Festnetz anrufen, setzt YouGov auf Online-Befragung. Werden auf diese Weise mehr junge Leute erfasst, so dass es zu einer Schieflage in der Altersstruktur der Befragungseinheit (Panel) kommt? Das sei nicht der Fall, versichert YouGov-Forschungsleiter Holger Geißler. 1000 Befragte seien zwar viel, aber auch da komme es zu unterschiedlichen Einschätzungen. Jedes Institut hoffe, am Ende dem tatsächlichen Ergebnis am nächsten gekommen zu sein.

Wichtig zu wissen, dass es bei den Prognosen für große Parteien eine Bandbreite von bis zu drei Punkten nach oben und unten gibt. Das bedeutet: Sagt ein Institut einer Partei 30 Prozent voraus, können es am Wahltag 27 oder gar 33 Prozent sein.

Eine treffsichere Vorhersage ist wohl erst am Wahltag möglich. Es ist üblich, Menschen unmittelbar nach erfolgter Stimmabgabe zu befragen. Die Ergebnisse dieser "exit polls" (exit = Ausgang, polls = Befragung) werden im Fernsehen um 18 Uhr als Prognose veröffentlicht. Aller Erfahrung nach kommt sie dem tatsächlichen Ergebnis sehr nahe. Das hat sich am Sonntag bei der Wahl in Schleswig-Holstein erneut bestätigt.

Politiker wissen übrigens meist schon deutlich vor 18 Uhr, wohin die Reise geht. Kein Wunder, dass sie bereits kurz nach der Bekanntgabe wohlvorbereitet vor die Kameras treten können — entweder zerknirscht oder erleichtert.

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(hüw)