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Kolumne: Hier in NRW: Hannelore Kraft und das Brandenburger Funkloch

Kolumne: Hier in NRW : Hannelore Kraft und das Brandenburger Funkloch

Die Ministerpräsidentin will bei ihrer Schiffstour in Brandenburg eine Woche lang keinen Handyempfang gehabt haben. Kann man das wirklich glauben? Oder war es nur eine Verlegenheitsausrede?

Letzte Woche war's, da sprach CDU-Fraktionschef Armin Laschet im Landtag einen Vorgang an, der zwar schon eine Weile zurückliegt, aber noch immer ein ziemlicher Aufreger ist. Hintergrund ist der sintflutartige Regen, der Ende Juli über Teile Westfalens hinweggefegt war. Bei ihrem Besuch in Münster auf dem Gut Havichhorst wurde Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) etliche Wochen später gefragt, warum sie damals nicht nach Münster gekommen sei, um die von dem Unwetter verursachten Schäden in Augenschein zu nehmen.

Kraft, die sich gern volksnah gibt, hatte dafür laut "Westfälische Nachrichten" folgende Erklärung parat: "Ich war in Brandenburg auf einem Schiff und hatte eine Woche keinen Empfang." Laschet, der sich auf diesen Zeitungsbericht bezog, betonte, er könne das kaum glauben. Es klingt ja auch wirklich unglaublich, dass die Regierungschefin eines politisch und wirtschaftlich so bedeutsamen Bundeslandes wie NRW eine Woche lang unerreichbar gewesen sein soll. Doch ein Regierungssprecher bestätigte diese Darstellung und verwies auf die unzureichende Netzversorgung im Brandenburgischen.

Tatsächlich gibt es dort Regionen, in denen man als Kunde eines bestimmten Telefonanbieters ganz schlechte Karten beziehungsweise keinerlei Verbindung zur Außenwelt hat. Aber hätten die Ministerpräsidentin und ihr Büro dies nicht bei der Planung des Urlaubs einkalkulieren müssen?

Okay. Auch die NRW-Ministerpräsidentin hat Anspruch auf Erholung. Das Anti-Stress-Gesetz, wenn es denn ein solches gäbe, würde dann - eingeschränkt - auch für sie gelten. Aber eben nur eingeschränkt. Denn im Gehalt von Kraft sind "Ruhestörungen" gewissermaßen inbegriffen; vor allem, wenn es sich um so gravierende Vorkommnisse wie im Münsterland handelt. Irgendwer aus Krafts Entourage, so möchte man annehmen, sollte doch Funkkontakt zur Heimat gehalten haben? Eine totale Unerreichbarkeit kann man der Regierungschefin jedenfalls nicht durchgehen lassen. Vermutlich ist sie bei ihren Mitarbeitern auch nicht so nachsichtig.

So ist zu hoffen, dass Kraft in Wirklichkeit gar nicht so abgeschottet war, wie sie es dargestellt hat. Warum sie dann diese törichte Ausrede gewählt hat, bleibt ihr Geheminis. Die Union tut jedenfalls gut daran nachzuhaken. Sie will von Kraft wissen, wo genau sie sich damals aufgehalten hat. Zum Fragenkatalog, den der CDU-Politiker Thomas Sternberg jetzt eingereicht hat, gehört auch, ob die Staatskanzlei versucht hat, sie über das Unwetter zu informieren. Eine totale Funkstille - das glaubt doch wohl niemand.

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(RP)