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Hier In Nrw: Hannelore Kraft mag, wenn's blitzt und donnert

Hier In Nrw : Hannelore Kraft mag, wenn's blitzt und donnert

Morgen, an Altweiberfastnacht, wird in der Staatskanzlei – wie in vielen anderen Behörden auch – nur auf Sparflamme gearbeitet. Der Karneval bestimmt die Terminpläne.

Was für Angela Merkel das Bundeskanzleramt ist (das wegen seiner Architektur auch als "Bundeswaschmaschine" verulkt wird), ist für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die Staatskanzlei. Die Landesregierung hat in dem gläsernen Hochhaus neben dem Landtag sieben Doppel-Etagen gemietet. Die Verträge wurden 1999 für die Dauer von 30 Jahren abgeschlossen; die Miete beträgt drei Millionen Euro pro Jahr.

Die Idee, dort mit 350 Mitarbeitern einzuziehen, hatte der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement. Dem SPD-Mann, der ein Macher und Modernisierer sein wollte, erschien die alte Staatskanzlei, in der sein Vorgänger Johannes Rau gewirkt hatte, viel zu altmodisch. Mit dem Wechsel ins futuristische "Stadttor" wollte Clement signalisieren, dass in NRW eine neue landespolitische Zeitrechnung beginnt. Dass er wenige Jahre später nach Berlin entfleuchen würde, wusste er damals sicher selbst noch nicht. Johannes Rau ("JR") hatte jedenfalls für den spektakulären Umzug seines Nachfolgers kein Verständnis. "Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wohnt nicht zur Miete", so sein sarkastischer Kurzkommentar. Insider berichten, dass er die neue Staatskanzlei niemals betreten habe.

Ganz anders die Frau, deren Art, mit Leuten umzugehen, gern mit der Menschenfischerei von "JR" verglichen wird – Hannelore Kraft. Sie fühlt sich in dem Glashaus pudelwohl und lobt das Klima in den höchsten Tönen. Das bezieht sich in diesem Fall aber nicht auf die Zusammenarbeit mit den Grünen (da kann es manchmal ziemlich ruppig zugehen), sondern auf die Raumluft. Das "Stadttor" ist ein wahrer Energiespar-Riese, der das Rheinwasser zur Beheizung ebenso wie zur Kühlung nutzt. Das macht eine Klimaanlage überflüssig.

Von ihrem Büro in der zehnten Etage aus genießt Hannelore Kraft den Ausblick über die Landeshauptstadt und den Rhein mit seinem Medienhafen. Sie mag auch, wenn es dunkel ist und ein Gewitter einsetzt. Sollte es am morgigen Donnerstag ab 11.11 Uhr draußen donnern und blitzen, dürfte es sich jedoch um das Getöse einer karnevalistischen Funkengarde handeln, die am "Stadttor" vorbeizieht. Denn Jubel, Trubel, Heiterkeit sind dort zu Altweiberfastnacht offiziell nicht angesagt; wie in vielen anderen Behörden wird aber nur auf Sparflamme gearbeitet. In den nächsten tollen Tagen bestimmt der Karneval aber umso mehr den Terminkalender der Ministerpräsidentin. Am Rosenmontag wird sie am Umzug in Mülheim/Ruhr teilnehmen und vom Wagen aus huldvoll den närrischen Untertanen ihrer Heimatstadt zuwinken.

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(RP)