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Kolumne: Hier in NRW: Hannelore Kraft auf Platz drei der Beliebtheitsskala

Kolumne: Hier in NRW : Hannelore Kraft auf Platz drei der Beliebtheitsskala

Im aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" rangiert die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende hinter Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Ihr werden Ambitionen auf das Bundespräsidialamt nachgesagt.

Den 29. August dürfte sich Hannelore Kraft dick angestrichen haben: An diesem Tag will die Ministerpräsidentin zusammen mit Brigitte Mohn von der Bertelsmann-Stiftung eine Zwischenbilanz ihres Modellprojekts "Kein Kind zurücklassen" präsentieren. Vor zwei Jahren hatten 18 Kommunen - darunter Dormagen, Duisburg, Düsseldorf und Mönchengladbach - damit begonnen, sogenannte Präventionsketten für gezielte Kinder-, Jugend- und Familienhilfe auf- und auszubauen.

"Kein Kind zurücklassen" - das ist der politische Leitspruch von Hannelore Kraft seit der rot-grünen Regierungsübernahme 2010. Der Slogan ist allerdings keine eigene Erfindung, sondern stammt aus den USA: Der damalige Präsident George Bush startete 2005 das Programm "No Child left behind", das dafür sorgen sollte, dass alle Kinder in den USA richtig lesen, schreiben und rechnen können. Krafts Programm geht darüber hinaus: Frühzeitige Korrekturen (etwa bei der Erziehung von Kindern) ersparten spätere aufwendige "Reparaturen". Für den Staat, so beteuert Kraft, rechne sich das durchaus.

Auch wenn diese Rechnung wohl niemals aufgehen wird, ist ihr Anspruch, kein Kind zurücklassen zu wollen, längst zu ihrem Markenzeichen geworden. Und schon "Menschenfischer" Johannes Rau hat vorgemacht, wie man mit bodenständigen Begegnungen bei den Bürgern punkten kann.

Im aktuellen ARD-"Deutschland-trend" rangiert die Regierungschefin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende jedenfalls hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) auf Platz drei der Beliebtheitsskala: 54 Prozent der Befragten sind demnach mit ihr "zufrieden" oder sogar "sehr zufrieden". Dass die von ihr geführte rot-grüne Landesregierung tief im Schulden-Dilemma steckt, wird dabei offenbar ausgeblendet.

Nachdem Kraft versichert hat, "niemals" Kanzlerkandidatin werden zu wollen, werden ihr Ambitionen auf die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck nachgesagt. Da die Wahl des Staatsoberhaupts im März 2017 erfolgt, müsste die 53-Jährige im Laufe des Jahres 2016 Position beziehen. Bringt die SPD die Mehrheit in der Bundesversammlung zusammen, wäre Kraft Deutschlands erste Bundespräsidentin.

Zufall oder nicht: Schon jetzt denkt die NRW-SPD über die Nachfolgeregelung nach. Bislang muss der Bewerber für das Regierungsamt dem Landtag als Abgeordneter angehören. Das soll in Zukunft nicht mehr so sein, wünscht sich die SPD.

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(RP)