Kolumne: Hier in NRW: Frauenfreie Biotope

Kolumne: Hier in NRW: Frauenfreie Biotope

Die Digitalisierung gibt zu allerlei Träumereien Anlass. Wer vom digitalen Morgen spricht, verfällt leicht in Superlative: Von enormen Gestaltungspotenzialen ist dann gern die Rede, die es den Menschen ermöglichen, ihr Leben einfacher, sicherer und individueller zu führen.

So heißt es auch im Antrag der CDU- und FDP-Fraktion zur neuen Digitalisierungsstrategie der Landesregierung. Und da ist sicher etwas dran.

Warum aber - und die Frage drängt sich nicht nur zum Internationalen Frauentag auf - haben Frauen auf diese Umwälzung, die oft mit der industriellen Revolution verglichen wird, so wenig Einfluss? Dem ist die US-Tech-Journalistin Emily Chang nachgegangen. In ihrem Buch "Brotopia" (bro für brother, englisch Bruder) hat sie die Ursachen dafür erforscht, weshalb das Silicon Valley männlich dominiert ist.

Das war nämlich nicht immer so. Einst waren es Mathematikerinnen, die dafür sorgten, dass die USA Astronauten sicher ins Weltall schießen konnten. In den Anfängen des Silicon Valley spielten Chang zufolge Frauen eine wichtige Rolle. In den 1960er und 70er Jahren aber herrschte Mangel an Talenten. Zwei Psychologen wurden beauftragt herauszufinden, was einen guten Programmierer ausmacht.

Nachdem sie 1200 Männer und 200 Frauen getestet hatten, kamen sie zum Ergebnis: Gute Programmierer mögen keine Menschen. Das war die Geburtsstunde des Nerds. Also jenes blassen Jünglings mit Hornbrille, der auch in Deutschland als Prototyp des fähigen Programmierers gilt. Der Test fand weithin Beachtung.

In Wahrheit ist er aber gar kein Beleg dafür, dass unsoziale Menschen die besseren Programmierer sind. Jetzt gibt es Hoffnung: 170 Jahre nach Beginn der industriellen Revolution duldet es die Groko nicht länger, wenn Konzerne für Frauen in Top-Ebenen die Zielgröße "Null" festlegen. Laut Koalitionsvertrag drohen Bußgelder in Millionenhöhe.

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(kib)