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Kolumne: Hier In Nrw: English for i-Dötzchen

Kolumne: Hier In Nrw : English for i-Dötzchen

Manche Eltern wünschen sich vermutlich, dass ihr Kind erst einmal in der Muttersprache Deutsch sattelfest wird, bevor es eine Fremdsprache erlernt. Auf weiterführenden Schulen fangen viele Jungen und Mädchen dann wieder bei null an.

Nur noch zwei Wochen trennen die neuen i-Dötzchen von der Schultüte und damit vom "Ernst des Lebens", der angeblich mit dem Schulbesuch beginnt. Doch die allermeisten Mädchen und Jungen dürften den für sie besonderen Tag schon seit Monaten herbeigesehnt haben, ohne im Einzelnen zu wissen, was alles auf sie zukommen wird.

Englisch zum Beispiel. Seit dem Schuljahr 2003/04 wird die Fremdsprache in Nordrhein-Westfalen in der Grundschule spielerisch "unterrichtet", seit dem Schuljahr 2008/09 sogar schon in der zweiten Hälfte von Klasse eins. Der frühe Beginn sei eine "große Chance, die Entwicklung einer Mehrsprachigkeit zu unterstützen", sagte die damalige Schulministerin und Mutter von fünf Kindern, Barbara Sommer (CDU). Inzwischen steht Englisch in allen Bundesländern auf dem Stundenplan der Grundschulen.

Nun wird niemand an der Bedeutung dieser weltumspannenden Sprache zweifeln. Die Frage ist allerdings, ob manche Grundschulkinder damit nicht überfordert sind. Erst unlängst hat sich der Landtag mit den zum Teil krassen Rechtschreib-Defiziten der Kinder in Deutsch befassen müssen.

Betroffene Eltern werden sich vermutlich wünschen, dass ihr Kind erst einmal in der Muttersprache Deutsch halbwegs sattelfest ist, bevor es mit einer Fremdsprache konfrontiert wird. Andere Eltern wiederum werden es zu schätzen wissen, dass die Kinder schon frühzeitig ein Gespür für die englische Sprache bekommen. Allerdings ist der Einwand zu hören, dass zwei Stunden pro Woche zu knapp bemessen seien.

Auch der Vorsitzende der Landeselternschaft Grundschulen, Thomas Minor, hält Englisch in der Grundschule keineswegs für vertane Zeit. Es gehe darum, den Kindern ein Hörverständnis zu vermitteln. Manche Grundschulen würden die Maßstäbe allerdings zu hoch ansetzen, um sich zu profilieren, sagt er.

Grundschullehrerinnen heben lobend hervor, mit welcher Begeisterung die Mädchen und Jungen bei der Sache sind. Außerdem genössen es die Kinder mit Migrationshintergrund, in Englisch sprachlich "auf Augenhöhe" mit den anderen zu sein. Probleme kann es später auf der weiterführenden Schule geben, weil die Englisch-Kenntnisse der Kinder je nach Grundschule unterschiedlich sein können. Deswegen setzen manche weiterführenden Schulen kaum etwas voraus, sondern fangen in Englisch quasi bei null an.

Das freut die einen, langweilt aber die anderen Schüler. Dennoch: Englisch in der Grundschule scheint sich bewährt zu haben.

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(RP)