Hier In Nrw: Die SPD schaut auf 150 Jahre

Hier In Nrw : Die SPD schaut auf 150 Jahre

Keine Partei in Deutschland ist so traditionsreich wie die SPD, die in diesem Jahr auf ein 150-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Aus diesem Anlass wird Landtagspräsidentin Carina Gödecke, die selbst das SPD-Parteibuch in der Tasche hat, am Freitag eine Ausstellung im Parlamentsfoyer eröffnen.

Die SPD, die von den Nazis verboten worden war, stellte sich nach dem Zweiten Weltkrieg im rheinisch-westfälischen Raum in den vier traditionellen Parteibezirken neu auf. In Düsseldorf, dem Zentrum des SPD-Bezirks Niederrhein, betrieb vor allem Ernst Gnoß den Wiederaufbau der Partei. Gnoß wurde 1946 zum ersten Landtagspräsidenten gewählt. In Köln (Ober-/ Mittelrhein) war Robert Görlinger mit seinen Freunden aktiv. Im Westlichen Westfalen war es Fritz Henßler, während sich der frühere preußische Innenminister Carl Severing am Wiederaufbau der SPD im Östlichen Westfalen beteiligte.

Die Bezirke spielten noch lange eine dominierende Rolle in der NRW-SPD – auch nachdem Ministerpräsident Heinz Kühn 1970 den Landesverband geschaffen hatte, dessen Chef er bis 1973 war.

An die Parteispitze rückten nach ihm Werner Figgen (1973–1977) und Johannes Rau (1977–1998), der fast 20 Jahre lang auch Regierungschef in NRW war – ein bislang unerreichter Rekord. Auf immer neue Rekordhöhen kletterte während seiner Amtszeit allerdings auch die Neuverschuldung des Landes.

Raus Nachfolger als SPD-Chef, Franz Müntefering (1998–2001), verordnete der Partei Ende 2000 eine Radikalkur und stufte die einflussreichen Bezirke zu "Regionen" herab. Damit wurde der Landesverband zur entscheidenden Ebene der innerparteilichen Willensbildung. Viele haben sich damals dagegen aufgelehnt, und manch einer sieht in der Reform auch heute noch den Hauptgrund für den Abwärtstrend der NRW-SPD, die von Wahl zu Wahl massiv an Stimmen eingebüßt hat. Derzeit haben noch 130 000 Genossinnen und Genossen an Rhein und Ruhr das Parteibuch.

Münteferings Nachfolger waren Harald Schartau (2001–2005) und bis 2007 Jochen Dieckmann. Seither steht Hannelore Kraft an der Spitze der Landespartei. Sie ist die große Hoffnungsträgerin der SPD – und vielleicht noch längst nicht am Ende ihrer Karriere angelangt.

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(RP)