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Politischer Aschermittwoch: Die Parteien servieren heute deftige Politkost

Politischer Aschermittwoch : Die Parteien servieren heute deftige Politkost

Die NRW-SPD trifft sich zum traditionellen politischen Aschermittwoch in Schwerte, die CDU geht wieder nach Kirchveischede, die Grünen laden nach Köln ein und die Liberalen wieder nach Wanne-Eickel. Warum eigentlich da und nicht woanders?

Von Bayern lernen heißt mal so richtig krachledern schimpfen lernen. Über die Politik zum Beispiel — natürlich ausschließlich über die des Gegners. Man ahnt: Es geht um den politischen Aschermittwoch, der in Bayern alljährlich Hallen und Bierzelte füllt. Die Tradition führt angeblich ins 16. Jahrhundert zurück, als sich Tierhändler in Vilshofen zum Viehmarkt trafen und dabei kräftig über die Obrigkeit herzogen.

In Vilshofen trommelte die CSU jahrelang ihre Anhänger zum politischen Aschermittwoch zusammen. Doch dann wurde der Saal zu klein, so dass man nach Passau wechselte, während die SPD weiterhin in Vilshofen agitiert.

Irgendwann haben auch die Parteien in NRW den Nährwert deftiger Politkost erkannt. Die SPD machte vor 22 Jahren den Anfang. Die Wahl fiel auf Schwerte, weil dort der mächtige Parteibezirk Westliches Westfalen 1946 wiedergegründet worden war. Seither treffen sich die Genossen im Restaurant "Freischütz", das früher ein Forsthaus mit Alkoholausschank war. Alkohol fließt auch heute Abend wieder, wenn die Nummer eins der Partei zur Europawahl, Martin Schulz, dort den großen Auftritt hat.

Derweil finden sich die Anhänger der NRW-CDU im siebensilbigen Lennestadt-Kirchveischede ein, einem idyllischen Örtchen mit 1000 Einwohnern. Die Idee für einen politischen Aschermittwoch hatte seinerzeit Parteichef Jürgen Rüttgers. Sein Organisator Bernhard Herzog suchte eine Lokalität im Sauerland mit bayerischem Ambiente und wurde in Kirchveischede fündig. Ex-Parteichef Norbert Röttgen hielt dort 2012 eine flammende Rede. Da ahnte er noch nichts von seiner Niederlage wenige Wochen später.

Solche trüben Erinnerungen plagen die Grünen nicht. Sie haben wieder in ihre Hochburg Köln eingeladen (wo sie bei der Landtagswahl 2012 mit fast 20 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft wurden). Allerdings nicht mehr ins alte Pfandhaus wie im vorigen Jahr, sondern in das Comedia-Theater. Das Motto ist typisch kölsch: "Klönen, kungeln, koalieren".

Die FDP bleibt dagegen Herne (gehört zu Wanne-Eickel) treu. Wieso Herne? 2007 hatte der Kreisverband Herne bei einem innerparteilichen Wettbewerb um die Anwerbung neuer Mitglieder am besten abgeschnitten. Seither kommen die Liberalen zum politischen Aschermittwoch in die "Mondschänke" des Theaters "Mondpalast". Ja, der Mond von Wanne-Eickel. So wie SPD und Grüne derzeit drauf sind, würden sie die NRW-FDP wohl am liebsten dorthin schießen.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: So lief der Politische Aschermittwoch der CSU 2013

(RP)