Günther Oettinger verrät, warum er Moskaus Russia Today schaut.

Kolumne: Total Digital : „Ab und zu Russia Today“

Günther Oettinger verrät, warum er Moskaus Manipulations-TV schaut.

Seit Trump-Wahl und Brexit-Referendum gilt in Brüssel als abgemacht, dass finstere Mächte die Europawahl manipulieren würden. Die tschechische Justiz-Kommissarin Vera Jourova warnt vor Desinformation und Einmischung, Trumps einstiger Manipulator Steve Bannon soll die europäische Rechte beraten. Selbst die notorisch entspannte Kanzlerin fürchtet Cyber-Attacken.

Nur: Bis zehn Tage vor der Wahl waren kaum außergewöhnliche Vorkommnisse zu verzeichnen, was einerseits bedeuten kann, dass die manipulative Erosion Europas so geheim verläuft, dass sie kaum auffällt, oder die gemäßigten Wähler sollen durch Themen- und Emotionsarmut von der Wahl ferngehalten werden.

„Europa braucht eine Cyber-Strategie“, fordert Günther Oettinger, und dazu das Bewusstsein, dass EU-Gegner innerhalb Europas und Kräfte von außerhalb die Gemeinschaft lächerlich und unglaubwürdig machen. Das russische Propagandaportal Ruptly verbreitet gern unvorteilhafte Videos von Kommissionspräsident Juncker, der allerdings auch immer wieder gute Motive liefert, wenn er Europapolitiker hinterrücks verwuschelt oder bisweilen seebärenhaft wankt. Der Haushalts-Kommissar sieht die aus Moskau gesteuerten Sender zwar skeptisch, aber wenn er nicht gerade auf seiner Skat-App gegen digitale Gegner ramscht, „schaue ich ab und zu Russia Today und treffe deren Journalisten.“ Vorbehalte seien geboten, Hysterie aber nicht, denn schwache Quoten stünden immensen Kosten gegenüber.

Auf Oettingers Englisch als besonders perfide Abwehrstrategie kann sich die EU auch nicht mehr verlassen. Der Schwabe hat an seiner Verständlichkeit gearbeitet und vermeldet: „Die Spanier sprechen viel härter als ich.“

Der Journalist Hajo Schumacher schreibt hier über seine Entdeckungsreise in der digitalen Welt. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

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