Gott und die Welt: Zuversicht tut dem Glauben gut

Gott und die Welt: Zuversicht tut dem Glauben gut

Wie ein alter Baukran die Geschichte von Abriss und Aufbau der Kirche erzählt.

Was für ein sonderbares Jubiläum! Wobei mir nicht so ganz klar ist, ob mit diesem Gedenktag an eine Baugeschichte oder eine Abbruchgeschichte erinnert werden soll. Jedenfalls: Vor 150 Jahren wurde der Baukran vom halben Südturm des Kölner Doms demontiert, um endlich die Kathedrale zu vollenden.

Seit dem Mittelalter hatte das hölzerne Ungetüm dort gestanden und galt als eine der größten Baumaschinen seiner Zeit. Das Kuriose: Seit die Bauarbeiten an der Kathedrale 1520 aus Geldmangel eingestellt worden waren, stand der Kran in knapp 60 Meter Höhe beschämend nutzlos auf dem Turmfragment. Das kann man als Anekdote der 632 Jahre währenden Baugeschichte des Doms lesen.

Oder auch als kölsche Posse, zumal der Kran zwischenzeitlich selbst zu einer Art Wahrzeichen der Stadt geworden war. Die Kran-Episode ist aber mehr als nur Folklore. Denn sie erzählt von einem großen Glaubensprojekt, das ins Stocken gerät, das die Menschen trotzdem nicht aus den Augen verlieren - über Jahrhunderte hinweg. Ihre Zukunfts- und Glaubenszuversicht wird im Kran anschaulich. Nun ist das Holzgestell alles andere als ein gotisches Kunstwerk; es ist nur Werkzeug, keine Augenweide.

Seine Aura liegt einzig in dem Versprechen, dass irgendwann Großes entstehen kann. Was der Kran über Jahrhunderte befördert, ist die Fantasie der Menschen. An der aber scheint es heute zu fehlen. Wenn etwa wieder über Kirchen gesprochen und ihre bevorstehende Umwidmung beklagt wird. Der Protest ist vernehmlich, und am lautesten oft von denen, die über Jahre keine Messe mehr besucht haben. Es ist, als würde uns der Kran vor Augen fehlen, der für Abriss und Aufbau steht. Ob es nach der Schließung einer Kirche mit dem gelebten Glauben ein Ende haben wird, liegt einzig und allein an uns.

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(RP)