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Gott Und Die Welt: Wenn sich der Mensch die Erde untertan macht

Gott Und Die Welt : Wenn sich der Mensch die Erde untertan macht

Unsere Devise lautet: Was möglich ist, wird auch gemacht. So beherrschen wir unsere Umwelt mehr und mehr, bis sie uns fremd wird und vielleicht sogar abhanden kommt. Fracking ist dafür ein gutes Sinnbild.

Weil in unserer Welt technisch so vieles möglich geworden ist, bleibt die Frage, ob das überhaupt noch unsere Welt ist. Oder wir uns als Macher nur noch von gemachten Dingen umgeben und umzingelt sehen. Wohin wir dann auch schauen, überall erblicken wir allein unser Werk. Das mag eine Zeit lang entzücken; das ist dann der Rausch jedes Schöpfertums. Bis uns all die gemachten Dinge irgendwann fremd werden und mit ihr die Welt.

Das ist keine Philosophie, sondern nur die Beobachtung einer greifbaren Wirklichkeit, die sich Tag für Tag ereignet. Wie jetzt die Debatte über das sogenannte Fracking, eine Methode, bei der man auch mit Hilfe eines Chemiecocktails an tiefgelegene Gasreserven gelangt. Was das mit der Erde anstellt, kann heute keiner verantwortlich absehen. Aber es ist ein Sinnbild für unsere Haltung: Wir höhlen die Erde aus, auf der wir stehen. Wir graben uns den Boden unter den Füßen weg. Aber vielleicht haben wir ja Glück mit der Wirkung des Chemiecocktails, und es betrifft erst spätere Generationen. Das ist eine recht zynische Sicht, aber leider sind wir im Umgang mit den Energievorräten auf dieser Erde nie anders verfahren. Wobei sich unser Zynismus nicht nur auf nachfolgende Generationen richtet, sondern auch auf die sogenannten Entwicklungsländer, denen nur ein Bruchteil jener Energie zur Verfügung steht, die wir putzmunter verbrauchen. Wohlgemerkt, das ist kein wohlfeiler Fingerzeig auf andere. Schließlich wird auch diese Kolumne an einem Rechner geschrieben und in einem Büro, das nach den Erfordernissen der Jahreszeit prima beheizt oder angenehm gekühlt werden kann. Kaum zu glauben, aber dennoch wahr: Der Rechner verbraucht nicht allein Strom für den Betrieb; auch die Server beispielsweise von Google, Ebay und Facebook fressen ordentlich Strom. Jeder Mausklick erhöht den CO2-Ausstoß. Das alles und noch viel mehr nehmen wir mit großer Selbstverständlichkeit in Kauf und in Anspruch. Darüber lässt sich leicht schreiben und noch leichter reden. Die Änderungen sind es, die uns schwerfallen, weil wir vielleicht doch zu oft glauben, dass Verzicht immer Einschränkung bedeuten muss, uns unfrei und das Leben weniger lebenswert macht. Es gibt Gegenbeispiele wie jene epochale Erfindung, die uns im 20. Jahrhundert alle Freiheit zu schenken schien: das Auto. Seitdem wir es haben, sind wir so frei geworden, dass wir viele Kilometer von unserem Arbeitsplatz entfernt wohnen können. Und weil das viele andere auch so machen, stehen wir alle morgens und abends im Stau. Aber vielleicht finden wir dann ja die Ruhe, mal über alles nachzudenken.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)