Kolumne: Gott und die Welt : Und noch immer ist Weihnachten

Erst mit der Taufe Jesu endet das Fest – und nicht nach dem Abfuhrkalender.

Der städtische Abfuhrkalender hat’s vorgegeben: In dieser Woche werden bei uns die Weihnachtsbäume eingesammelt, und wer den Termin verpasst, bekommt Probleme mit der sogenannten Entsorgung. Aber ist ohnehin nicht schon alles vorbei? Die gelungenen Geschenke sind längst in Gebrauch und die weniger passenden umgetauscht. Das neue Jahr nimmt uns schon in Beschlag mit all den Planungen. Irgendwie ist das komisch: Denn sosehr uns Weihnachten beschäftigt und schon der Advent uns berührt hat, so gleichgültig nehmen wir das Ende hin. Anders gesagt: So lässig gehorchen wir dem Abfuhrkalender. Gefühlt ist Weihnachten mit dem 27. Dezember vorbei, schlagartig, danach wird nach und nach wieder aufgeräumt. Dabei ist auch heute Weihnachten noch nicht vorbei, sondern erst am morgigen Sonntag, an dem die Kirche die Taufe des Herrn feiert. Dieser Tag ist flexibel, denn er wird stets am Sonntag nach dem Dreikönigsfest begangen. Das klingt ein wenig umständlich, zumal diese weiträumige Art der Weihnachts-Zeitrechnung scheinbar nichts mehr mit dem gemütlichen Feiern und Essen sowie dem nächtlichen Kirchgang zu tun hat. Aber dann hat unser Weihnachtsfest auch nicht mehr viel mit seiner biblischen „Vorlage“ zu schaffen, die mehr zu erzählen weiß als die Geburt Jesu. Mit jeder Geburt beginnt immer alles. Und so wird auch die Lebensgeschichte Jesu zu Weihnachten und über Weihnachten hinaus fortgesetzt: mit der Erscheinung des Herrn und der Taufe Jesu wenige Tage später. Erst mit der Taufe endet Weihnachten – und lässt damit vieles neu beginnen. Weihnachten ist kein singuläres Ereignis; es ist das wichtige erste Kapitel einer viel längeren Geschichte. Mit dem Abschmücken des Weihnachtsbaumes endet also nichts. Und der Abfuhrkalender hat keine Ahnung.

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