Kolumne: Gott Und Die Welt : Was gibt Trost?

Nach Katastrophen wie Terroranschlägen oder dem Germanwings-Absturz gilt es, das Unannehmbare anzunehmen.

Was gibt Trost? Darüber denke ich nach, wenn ich an den Absturz des Germanwings-Flugzeugs heute vor zwei Jahren denke. Alle 150 Insassen der Maschine wurden durch die Tat eines Einzelnen in den Tod gerissen. Damals rief ich zum Gebet auf: "Wir fühlen uns hilflos, Gott! Wir können nichts tun, nichts für die Toten, nicht viel für die Trauernden und auch nicht viel für uns in unserer eigenen Angst."

Das Leben ist zerbrechlich, in Katastrophen wie dieser wird das spürbar, ebenso bei Terroranschlägen wie in Brüssel, Paris, Nizza, Berlin und jetzt in London. "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" So heißt es in Psalm 8. Im Angesicht des Leidens fragen viele: Was ist der Mensch schon Besonderes? Wer durchschaut seine Abgründe? Wer gibt Trost? Laut dem Psalm ist der Mensch etwas Besonderes, beinahe Göttliches: "Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt." Das mag man angesichts der Germanwings- und anderer Katastrophen kaum nachsprechen.

Es ist ein Zeichen menschlicher Ohnmacht, dass wir die Sprache verlieren, wenn uns ein Unglück trifft. Seelsorger wissen: Jedes Wort ist da zu viel. Seelsorge ist deshalb im Wortsinn nah bei den Menschen, weil - so glaube ich - Gott nah bei den Menschen ist. Was hilft? Für die einen ist es Schweigen, für die anderen Schreien und Klagen. Manche suchen Stille und Alleinsein, andere Ablenkung und Treffen mit nahen Menschen.

Was tut gut? Das gemeinsame Erinnern, die Natur, Musik, das eigene Tempo in der Bewältigung. Erklärungen bieten keinen Trost. So abgründig der Tod, so abgründig sind einzelne Menschen. Da gibt es nichts zu vertrösten, da gilt es, Klage und Verzweiflung auszuhalten.

Bei der Trauerfeier im Kölner Dom bekamen die Angehörigen einen kleinen Holzengel in die Hand: als Symbol, das ihnen sagt, dass sie nicht allein sind mit ihrer Not. Symbole verweisen auf Erfahrungen und Hoffnungen, dass es Größeres gibt als das, was uns beschwert und niederhält. Einen Weg zu finden, das Unannehmbare anzunehmen: Das wäre schon Trost.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier ein Mal im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)