Gott Und Die Welt: Was ein Murmeltier mit Mariä Lichtmess zu tun hat

Gott Und Die Welt : Was ein Murmeltier mit Mariä Lichtmess zu tun hat

Aus unserem Fest Mariä Lichtmess ist in den USA der Murmeltiertag geworden. Und daraus ist ein legendärer Film entstanden: Er lehrt uns Wichtiges über den Wert von Zeit.

Morgen ist es wohl wieder so weit — der 2. Februar ist da. Die sattelfesten Christen unter uns, die kirchliche Feiertage selbst dann noch kennen, wenn sie bereits profane Werktage geworden sind, begehen dann Mariä Lichtmess. Das Fest wird 40 Tage nach Weihnachten gefeiert, es markiert das Ende der Weihnachtszeit und verspricht uns, dass nun die Tage wieder länger werden. Egal, wie frostig das Wetter morgen sein wird: Ein Hauch von Frühling weht am 2. Februar durch unsere Köpfe. Weil die Geschichte aller Feiertage meist unendlich lang, unsere wertvolle Lebenszeit aber endlich ist, sei jetzt hurtig das erzählt, worauf es diesmal ankommt. Alles beginnt im 18. Jahrhundert mit deutschen Siedlern, die vielleicht die Nase gestrichen voll hatten vom kalten deutschen Winter. Also ab in die USA (die damals gerade erst entstanden), so dass die Siedler zu Übersiedlern wurden. Doch auch im fernen Amerika war es bitterkalt und die Sehnsucht nach Frühling folglich groß. Sie erfanden zu Mariä Lichtmess also einen witzigen Brauch, bei dem sie ein Murmeltier aus seinem Bau zogen und als Wetterfrosch missbrauchten. Der Nager sollte nämlich verraten, ob es kalt bleibt oder nicht. Genau das machen die Amerikaner noch heute, unter anderem in dem Kaff Punxsutawney — und wenn dieser Name fällt, denkt die halbe Welt sofort an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Darin muss Bill Murray als zynischer und egozentrischer Reporter in genau diesem Punxsutawney den 2. Februar immer und immer wieder erleben. Toll, denkt er zunächst und macht viel dummes Zeug. Grausam, denkt er wenig später und begeht dutzendweise Selbstmorde, wacht aber immer wieder am 2. Februar unversehrt auf. Schließlich beginnt er die Zeit der permanenten Wiederkehr zu nutzen, lernt ein Instrument und hilft Menschen. Alles scheint da möglich, nur eins nicht: den Obdachlosen zu retten, der in der Nacht des 2. Februar stirbt. Der Film, so unterhaltsam er — trotz Andie MacDowell — auch sein mag, ist ein kleines Lehrstück. Nämlich darüber, dass wir nicht jeden Tag so leben sollten, als sei es der letzte. Weil unser Leben und unser Handeln auf eine kontinuierliche Zeit hin angelegt ist. Wenn man versucht, sein Leben vom imaginären Ende her zu betrachten, werden Gewichtungen sichtbar, Leitlinien und Verantwortungen. Ohne Zeit und die Gewissheit von Zeit gibt es weder Erfahrung noch Erkenntnis. Das muss Bill Murray erst lernen neben dem sterbenden Obdachlosen, dessen Zeit abgelaufen ist. Das Fest Mariä Lichtmess ist davon nicht allzu weit entfernt — mit seinem Versprechen auf die Zukunft und seinem Gottvertrauen auf jeden neuen Tag.

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(RP)