Schüler-Proteste sind auch gelebtes Christentum

Kolumne: Gott und die Welt : Proteste für die Schöpfung

Bei „Fridays for future“ geht es auch um gelebtes Christentum.

Das ist unsere leichteste Übung: sich über die Schüler zu mokieren, die bei „Fridays for future“ auf die Straße gehen und dafür den Unterricht schwänzen. Selbstredend sind wir alle für Klimaschutz. Das Altpapier bringen wir brav weg, das Altglas auch; neuerdings achten wir sogar auf den Plastikmüll. Und wenn das nicht hilft, hilft etwas anderes. Vielleicht irgendeine nächste oder übernächste Klimakonferenz, in der die notwendigen Maßnahmen keine Mehrheit finden und die spärlich vereinbarten Ziele nicht eingehalten werden. Schulterzucken allerorten, während die Wetterkapriolen zunehmen, Überschwemmungen und Stürme tausende von Menschenleben kosten. Da kommen die Schüler und verletzen einfach Regeln, „nur“ weil sie sich Sorgen um ihre und unsere Zukunft machen. Der Unterricht müsse aber nachgeholt oder der Protest auf den Nachmittag verlegt werden, heißt es. Ein Protest lebt nicht allein von der Übertretung; aber ein bisschen Ungehorsam kann eben auch nicht schaden, um sich Gehör zu verschaffen.

Es geht ja nicht um wenig: nämlich um die Bewahrung der Schöpfung. „Fridays for future“ ist auch gelebte christliche Botschaft. Und die war und ist nie angepasst und ist deshalb auch für einen schulbehördlichen Entschuldigungsbrief denkbar ungeeignet. Die christlichen Kirchen stehen an der Seite der Schüler mit viel Zuspruch und Ermunterung von Bischöfen und Priestern. Das ist eine gute Koalition, eine zukunftsfrohe. Die Landessynode der Nordkirche hat sogar eine Fürbitte für die Proteste der Schüler formuliert: „Es ist gut und wichtig, dass sie Verantwortung übernehmen und uns die Augen öffnen für die falschen Wege, die wir mit uns anvertrauten Welt gehen. Für alle Menschen, die für die Bewahrung deiner Schöpfung etwas wagen, bitten wir um deinen Schutz und Segen.“

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