Gott und die Welt: Organspende ist Nächstenliebe

Gott und die Welt: Organspende ist Nächstenliebe

Es gibt kein Richtig oder Falsch - außer, sich gar keine Gedanken zu machen.

Wenn mein Sterben unumkehrbar ist, dann können mein Herz oder meine Nieren einem anderen Menschen das Leben retten. Dieser Gedanke gefällt mir. Jeder, der durch ein ihm gespendetes Organ neue Perspektiven, Kraft und Hoffnung gewinnt und dies einem anderen Menschen verdankt, ist lebender Beweis für die Sinnhaftigkeit einer solchen Spende. Deswegen habe ich einen Organspendeausweis. Schon seit Jahren. Aber die aktuelle Diskussion um zu wenige Organspenderinnen und -spender in NRW zeigt: Das Thema ist schwierig, emotional und vor allem sehr intim. Und nicht jeder Gedanke zum Thema ist so erfreulich und leichtgängig wie der Gedanke, Leben zu retten: Ist "hirntot" wirklich "tot"? Spüre ich etwas, wenn mir Organe entnommen werden? Was mute ich meinen Angehörigen damit zu? Gibt es eine moralische Verpflichtung? Werden mit Spenderorganen krumme Geschäfte gemacht? Ist die Verteilung gerecht? Die Initiative Organspende-entscheide-ich.de greift diese Fragen auf und bietet einen alternativen Organspendeausweis an. Das ist für mich ein wichtiger Beitrag zur Diskussion.

Auch das macht klar: Das Thema ist vielschichtig. Es gibt kein Richtig oder Falsch, keine moralische Verpflichtung, Ja zur Organspende zu sagen. Doch mit Blick auf die Menschen, die todkrank auf Wartelisten stehen, finde ich es wichtig, dass jede und jeder sich einmal mit der Frage beschäftigt, ob ein Organspendeausweis für sie oder ihn infrage kommt. Das ist keine einfache Frage. Und die eigene Antwort zu finden, ist vielleicht mühsam. Aber die Frage ist lebenswichtig. Deshalb: Sprechen Sie darüber. Mit Angehörigen, Freunden, Ihrem Arzt, dem Seelsorger - sie sind gute Begleiter auf der Suche nach Ihrer eigenen Antwort.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier an jedem vierten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)