Kommentar: Papst Franziskus ächtet die Todesstrafe

Kolumne „Gott und die Welt“ : Du sollst nicht morden

Papst Franziskus ächtet die Todesstrafe. Das ist richtig und überfällig.

Ehrlicherweise hat es mich überrascht, dass im Katechismus der katholischen Kirche – also im Handbuch für christliche Grundfragen – die Todesstrafe bislang zumindest für denkbar gehalten wurde. Sicher: nur unter allen größten Vorbehalten, nur unter ganz bestimmten Bedingungen und schließlich als sogenannte extrema ratio, als letztes Mittel.

Die Ablehnung der Todesstrafe durch die Päpste seit Mitte des 20. Jahrhunderts war zweifelsohne spürbar. Und die gefühlte Gegnerschaft reichte offenbar aus, die Suche nach deutlicheren Worten nicht weiter zu verfolgen. Erst Papst Franziskus hat nun eine unmissverständliche Ächtung der Todesstrafe durchgesetzt. Das ist mehr als nur Rhetorik und viel mehr als eine Textüberarbeitung des Katechismus.

Denn selbstverständlich ist das auch politische Botschaft für jene Länder, in denen noch immer Menschen mit dem Tod bestraft werden. Länder, die ihre Präsidenten gerne in den Vatikan reisen und sich mit dem Pontifex vorteilhaft ablichten lassen. Allein in den USA sitzen derzeit 2800 Menschen in den Todestrakten; und in 31 Bundessaaten dort ist die Strafe mit dem Tod in den Gesetzbüchern festgeschrieben.

Die päpstliche Ächtung ist eine Friedensbotschaft. Und sie ist eine Mahnung, die Würde aller Menschen zu achten. Die größten Weisheiten finden oft die einfachsten Worten: „Du sollst nicht morden“, steht im fünften Gebot. Von irgendwelchen Notlagen, Ausnahmen und besonderen Umständen ist darin nicht die Rede. So schwer und vielleicht unmenschlich eine Straftat auch sein mag, gilt es, auch das Leben des Menschen zu achten. Die Chance, weiterzuleben, wird dann auch zu einer Bewährung vor Gott.

Der Verzicht auf die Todesstrafe zeigt Stärke, keine Schwäche. Er belegt, dass man sich seiner eigenen moralischen Leitplanken sehr sicher ist. Wer glaubt, einen Mord mit einem Mord beantworten zu müssen, ist kein Richter, sondern wird selbst zum Täter.

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