Kolumne: Kirche muss dahin reisen, wo die Menschen Urlaub machen - keine Ferien für die frohe Botschaft

Kolumne „Gott und die Welt“ : Keine Ferien für die frohe Botschaft

Kirche muss heute mehr als früher auf die Menschen zugehen. Auch an ungewöhnlichen Orten – zum Beispiel dort, wo die Menschen hinreisen.

Wo Seelsorge zumeist stattfindet? In den Kirchen natürlich und oft hinter geschlossenen Türen. Und ein bisschen noch bei Gemeindefesten, die mit anderen Sommerevents aber nur schwerlich mithalten können. In zu vielen Fällen bleibt das ein einseitiges Angebot: nämlich mit der Einladung an die Menschen, zu kommen. Die wird heute immer weniger angenommen. Vielleicht muss Kirche deshalb stärker als früher zu den Menschen gehen. Das sind manchmal nur ein paar Schritte von der Pforte entfernt, wie unlängst im Wallfahrtsort Kevelaer gleich neben der Gnadenkapelle. Ein Pfarrer trat dort mit einem Ministrant auf den Platz, begrüßte die Spaziergänger, sprach ein paar Gedanken zum Tage und lud ein zur späteren Messe. Keine große Sache. Aber eine, die manchen Besucher – vornehmlich Touristen – stehenbleiben und zuhören ließ. Der Glaube hatte sich ihnen gewissermaßen in den Weg gestellt. Nicht störend oder gar belästigend, sondern als eine Handreichung. Sicher, Kevelaer ist ein „besonderes Pflaster“ und die Präsenz der Kirche in der Öffentlichkeit weit stärker als in anderen Städten.

Es gibt aber auch ungewöhnlichere Orte und größere Wege, die die Kirche zurücklegt. Wie demnächst Seelsorger aus dem Bistum Essen. Die gehen dorthin, wo eben auch die Menschen aus dem Ruhrgebiet im Sommer sehr oft sind: auf Texel. Mit einem Wohnwagen steht die Touristenseelsorge für einige Wochen auf dem Campingplatz Kogerstrand. Auf der niederländischen Insel gibt es dann Messfeiern (mit anschließendem Frühschoppen), ein wöchentliches Dünensingen, ein paar Freizeitangebote für alle, und eine kleine Urlauberbücherei ist auch dabei. Die Kirche ist dann da, wohin die Menschen reisen. Nicht aufdringlich, aber mittendrin. Auch das ist doch eine gute Nachricht: Die frohe Botschaft macht keinen Urlaub.

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