Kolumne: „Gott und die Welt“ : Warum Sonntage so wichtig sind

Gemeinsames Auftanken am ersten Tag der Woche bringt uns neue Kraft.

Wo tanken Sie auf? Nein, ich meine jetzt nicht ihren PKW, sondern Sie sich selbst, ihren eigenen Akku. Da Sie die Samstags-Ausgabe Ihrer Lieblings-Zeitung in der Hand halten hoffe ich sehr, dass Sie gerade mit einem Kaffee in der Hand die Mühen der Werkwoche hinter sich lassen und Energie für die kommenden fünf Werktage sammeln können.

Bevor die Arbeitswoche beginnt, möchte ich Ihnen aber noch ein Angebot für Ihren Sonntag machen. Denn Sonntag ist nicht nur der Tag, an dem wir uns ärgern, dass es schon morgen wieder losgeht. An diesem Tag feiern Christen weltweit den „Tag des Herrn“. Dessen Bedeutung in aller Kürze: Gott ist nicht abstrakt und fern im Himmel. Er ist in Jesus Christus vor 2000 Jahren Mensch geworden, zu einem „von uns“.

Und er ist geblieben: Unter den Gestalten von Brot und Wein ist er für uns wirklich anwesend. Gott selbst ist unter uns, das ist eine einmalige Botschaft, die die Weltgeschichte verändert hat. Lassen Sie diesen Gedanken mal eine Minute auf sich wirken.

Wir feiern deshalb gemeinsam diese Nähe zu den Menschen als Höhepunkt der Woche. Um das zu loben, was wir unter der Woche Gutes getan und erlebt haben und um neue Kraft zu tanken für das, was vor uns liegt. Sonntags ist deshalb sowohl der Höhepunkt der Woche, als auch der Ausgangspunkt für die folgenden Tage. Gemeinschaft ist angesagt. Communio, zusätzlich zum Koffein.

Durch diese doppelte Bedeutung wird der Sonntag wirklich zum „ersten Tag der Woche“. Nicht nur kalendarisch und nicht nur für Katholiken.

Deshalb noch einmal: wenn Sie Ihren Kaffee heute in Ruhe und vielleicht mit der notwendigen Muße trinken denken Sie doch mal kurz darüber nach: Was gibt mir Kraft nicht nur für die Woche, sondern Hoffnung für mein Leben?

Wenn Sie sich als Antwort auf diese Fragen für folgende Sätze begeistern können: Unser Leben ist nicht zufällig, sondern hat eine Bedeutung – Liebe ist grundlegender als Hass und Spaltung – Wir sind nicht alleine, denn Gott will Gemeinschaft mit uns – bin ich zuversichtlich, dass es von der Tasse Kaffee bis zur Kirchbank vielleicht weniger weit ist, als es Ihnen noch auf den ersten Blick erscheinen mag.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schreibt hier an jedem dritten Samstag im Monat.
Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

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