Kolumne: „Gott und die Welt“ : Im Roboter schlägt kein Herz

Persönlichkeit – das ist mehr als die Rechenleistung von Prozessoren.

Der kleine Pepper in der Hoteleingangshalle spricht mich an und gibts mir Informationen. In ihm steckt kein Wesen mit Identität, sondern Künstliche Intelligenz (KI). Die einen denken bei KI sofort an Killerdrohnen, andere an neue medizinische Behandlungsmethoden oder Assistenzsysteme für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Schon heute unterstützen Roboter Pflegekräfte in Altenheimen. Abgesehen von der militärischen Nutzung macht mir diese Entwicklung von KI keine Angst. Die digitale Revolution 4.0 bedeutet eine neue Ebene der Symbiose technischer und menschlicher Fähigkeiten. Was wir allerdings dringend benötigen, sind internationale ethische Standards, damit diese Entwicklung allen Menschen dient und eine nachhaltige Zukunft ermöglicht. Denn unruhig werde ich, wenn wir anfangen, Roboter zu vermenschlichen. Was hat die Abgeordneten im Europaparlament geritten, die für Roboter der neusten Generation eine „elektronische Persönlichkeit“ fordern? Eine ethische Geisterfahrt! Auf diese Weise wird die „Grenze zwischen Mensch und Maschine, zwischen Lebendigem und Leblosen, dem Mitmenschlichen und Unmenschlichen“ aufgelöst wie die katholischen Bischöfe auf europäischer Ebene zu recht deutlich gemacht haben. „Persönlichkeit“, das ist mehr als Rechenleistung von Prozessoren, Sensorik und Deep Learning von künstlichen neuronalen Netzwerken. Auch wenn im Design vermenschlichte Androiden unsere Empathie wecken sollten, es bleiben kalt rechnende Maschinen. Da schlägt kein Herz, da ist kein echtes Mitleid, keine Barmherzigkeit und keine Liebe, die um des Anderen Willen sich selbst zurücknimmt. Menschen haben Persönlichkeit – Maschinen nicht!

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schreibt hier an jedem dritten Samstag im Monat.
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