Kolumne: „Gott und die Welt“ : Hoffnung und Neubeginn

Lichtmess ist ein altes Fest. Doch die Bedeutung dieses Tages ist sehr aktuell.

Die meisten werden heute ihre Einkäufe erledigen. Werden den Sonntag vorbereiten und am Abend vielleicht etwas unternehmen. Das Kirchenfest, das heute gefeiert wird, ist kaum noch spürbar. Dabei zählt Mariä Lichtmess zu den ältesten Festen des Christentums. Seit dem 4. Jahrhundert wird es 40 Tage nach Weihnachten gefeiert und galt ursprünglich als ein Nebenfest der Geburt Christi. Mit Mariä Lichtmess ist eine wichtige Erfahrung verknüpft – nämlich die der Zeit. Und so gibt es etliche Bauernregeln zu diesem Fest, die aus dem Ende der Weihnachtszeit eine Alltagserfahrung machen: „Ist’s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ Da schwingt viel Hoffnung mit, dass das Leben, das Licht und die Wärme zurückkehren. Als früher die kalten Wintermonate bisweilen noch einen Überlebenskampf erforderlich machten, muss die Aussicht auf besseres Wetter ein echtes Glücksgefühl gewesen sein.

Diese praktische Erfahrung schärft dann manchmal auch die Sinne für Grundsätzliches: für den Wandel der Zeit (wenn man es größer betrachtet), aber auch für Leben und Tod – mit Blick auf die eigene Existenz. Es geht etwas zu Ende, etwas Neues beginnt. Das ist nicht so düster, wie es zunächst klingt. Denn Wandel meint ja nicht Sackgasse. Im Wandel steckt die Gewissheit eines Aufbruchs, wenn auch in noch unbekannter Form. Der Stillstand ist das eigentlich Schreckliche. Mit diesem Bild spielt auch die US-Komödie von 1993, „Und täglich grüßt das Murmeltier“, mit einem Helden, der den 2. Februar immer und immer wiederholen muss und am Ende – vom Fluch endlich befreit – verkündet: Alles, was anders ist, ist gut. Der Tod eines Menschen ist tragisch. Unmenschlich aber ist die Unsterblichkeit.

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