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Kolumne „Gott und die Welt“: Glaube, Hoffnung, Liebe

Kolumne „Gott und die Welt“ : Glaube, Hoffnung, Liebe

Wir sind soziale Wesen – in der Krise brauchen wir mehr als Anrufe oder E-Mails.

Besondere Zeiten brauchen besondere Zeichen. Neulich las ich, dass sich Kinder in der Kommunionvorbereitung Freundschaftsbändchen schenkten, damit sie aneinander denken. Diese Kinder hätten eigentlich morgen, am Weißen Sonntag, ihre erste heilige Kommunion empfangen. Wegen der Coronakrise wurde das Fest abgesagt. Trotzdem wollten sie nicht einfach so auseinandergehen – ohne ein Symbol der Verbundenheit und Hoffnung.
In diesen Tagen sind diese Zeichen von besonderer Bedeutung. Die Kinder werden sich schon bald wieder in Schulen oder auf Spielplätzen begegnen. Aber ältere und gebrechliche Menschen in Pflegeheimen müssen wohl noch länger auf Besuche ihrer Kinder und Enkel verzichten. Eine Notwendigkeit, aber auch eine zutiefst tragische Situation. „Wir dürfen die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen“, mahnte Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2005 in Köln. Das gilt besonders in dieser Krise.
Als Christen sind wir im Gebet mit Gott und untereinander verbunden, aberWir spüren gerade jetzt, wie jede und jeder die persönliche Begegnung braucht. Eine Zeitlang gelingt das sicher über Freundschaftsbändchen in der Kindergruppe, über Anrufe, Briefe oder E-Mails. Aber es braucht mehr – Glaube, Hoffnung und Liebe, wie der Apostel Paulus sagt. Den Glauben, dass es sich zum Guten wendet, die Hoffnung auf einen Impfstoff. Und die Liebe zueinander. Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir können ohne Beziehung, also Liebe, nicht leben. Sie ist die Größte unter den dreien, heißt es in der Bibel.
Bleiben Sie erfinderisch in Ihren Zeichen der liebenden Zuwendung und behalten wir alle Disziplin, damit echte Begegnung bald wieder selbstverständlich wird.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schreibt hier an jedem dritten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de