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Kolumne „Gott und die Welt“: Die Meinung anderer hören

Kolumne „Gott und die Welt“ : Die Meinung anderer hören

Wir sollten wieder mehr versuchen, Andersdenkende zu verstehen.

Nichts ist so richtig wie die eigene Meinung! Das musste ich neulich wieder auf einer Podiumsdiskussion erfahren. Bei den Eingangsstatements war ich als Erster an der Reihe und warb dafür, zu versuchen, auch politisch sehr Andersdenkende erst einmal zu verstehen. Die anderen reagierten empört und ernteten – was absehbar war – Beifall. Die Welt schien wieder geradegerückt zu sein. Keine Frage, ein solches Verstehenwollen muss spätestens dort enden, wo jeder Respekt und jede Achtung beim anderen fehlt. Natürlich muss es Grenzen geben. Aber ich habe den Eindruck, dass wir diese viel zu früh, zu hoch und manchmal dann auch zu endgültig errichten. Dass wir schneller ausgrenzen als nötig und die Ausgegrenzten dann verurteilen. Dabei haben auch wir uns abgeschottet: eingerichtet in unserer eigenen Meinungswelt. In der stimmt alles und fühlt sich vieles sehr richtig an. 
Es gibt die schöne Formulierung, über den eigenen Schatten springen zu müssen. Mit dem absurden Beispiel deutet sie an, wie schwierig das ist. Sie weist uns aber auch darauf hin, dass wir im Besitz eines Schattens sind. Dass wir eine Geschichte haben, geprägt wurden; dass wir natürlich nie vorurteilsfrei und nie voraussetzungslos in Kontakt miteinander treten. 
In Frankfurt wird in diesen Tagen beim Reformdialog versucht, im wirklich offenen Dialog einen Zukunftsweg für die Kirche zu finden. Es gibt dabei eine Übung, zu einer guten Basis zu finden. Das ist die der eigenen Umkehr. Also zu versuchen, möglichst weit in seiner eigenen Meinungsbildung zu einem Ausgangspunkt zurückzukehren. Das ist ehrlich und ungeheuer schwierig. Aber: Der Erfolg eines gelingenden Gesprächs hängt auch davon ab, den anderen verstehen zu wollen. Jeder offene Dialog fängt darum immer erst bei uns selbst an.

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