Kolumne: Gott Und Die Welt: In der Krippe liegt die Hoffnung

Kolumne: Gott Und Die Welt : In der Krippe liegt die Hoffnung

Der Krippe ist ein Anti-Herrscherpalast. Sie symbolisiert eine neue, ungewöhnliche Macht.

Wer herrschen will, setzt sich ein Denkmal - ein sichtbares Monument, dem zwei Eigenschaften eingeschrieben sein sollen: Macht und Dauer. Wie zerbrechlich so etwas sein kann, zeigt sich dann im zerstörten Monument - in der Ruine. In ihr wird noch einmal anschaulich, dass es einst den Willen zur Überlieferung gegeben hat. Die brüchigen Reste aber bezeugen, was von derlei Ewigkeitsabsichten übrig bleibt, wenn alle Macht zerfällt und der Sinn abhandenkommt.

Auch die Ruine ist dann ein Monument, vielleicht besser: ein Mahnmal als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, indem es mit seinen Fragmenten noch an den Glanz von damals erinnert und uns mit dem gleichen Rest den Zerfall heute vor Augen stellt. Die Krippe als Geburtsstätte Jesu ist in diesem Sinne ein Anti-Palast. Sie ist eine Konstruktion, die das Vergängliche bereits vorwegzunehmen und das Vorübergehende zu kennen scheint. Die Krippe ist praktisch von Beginn an ruinös und ein Herrscherpalast von besonderer Art - ebenso wie ihr Hofstaat.

Neben Maria und Josef sind es drei Magier und einige Hirten, die Zeugen der Menschwerdung Gottes sind. Und zu den Wappentieren - wie sie abseits der Evangelien in den Apokryphen und späteren Krippendarstellungen auftreten - zählen Esel, Ochs und Schafe, gelegentlich Kamele. Es sind Symbole unter anderem für die Wachsamkeit, die Heiden und das Opfer.

Die Krippe mit ihrem Ensemble ist kein Ausnahmezustand; die flüchtige Herberge, die kaum Obdach gewährt, ist eine Botschaft. Weil der, der dort geboren wird, seine Macht nicht mit Steinen gebaut hat. Seine Kraft ruht im Evangelium, in der frohen Botschaft. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt", heißt es im Prolog des Johannes-Evangeliums. Alles ist Botschaft: die Krippe, die Zeugen, die Tiere und Jesus selbst.

Es gibt ein unglaubliches Gemälde des niederländischen Malers Rogier van der Weyden (1400-1464): ein Bild von der Krippe, an der - sehr klein, aber sehr wirklich - ein Kruzifix hängt. Gerade erst ist das Jesus-Kind geboren, da wird auf seine Passion gezeigt: sein qualvolles, stundenlanges Sterben am Kreuz. Wie furchterregend und zugleich wie tröstlich angesichts des Wunders der Auferstehung! Dem Anfang ist das Ende eingeschrieben; dem Ende aber wohnt die Hoffnung auf Zukunft inne. Für die Geburt Jesu gibt es keinen besseren Ort als die Krippe.

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(RP)