Kolumne: Gott und die Welt: Friedenssuche ist nicht beschaulich

Kolumne: Gott und die Welt : Friedenssuche ist nicht beschaulich

Ein scheinbar gemütlicheres Motto hätte man zum Katholikentag nächste Woche in Münster kaum finden können: "Suche Frieden". Dass die beiden Worte dem Psalm 34 entstammen, ist ebenso unspektakulär. Denn es gibt nur wenige Wünsche und Gebote in der Bibel, die so häufig sind wie jene nach Frieden. Es scheint, als seien Friedensformeln derart inflationär, dass sich eine gewisse Verdrossenheit breitmacht unter den Menschen, vor allem unter uns, die wir Frieden seit Jahrzehnten hierzulande mit großer Selbstverständlichkeit hinnehmen. Die Ausläufer der vielen Kriege und Konflikte gelangen lediglich mit den Flüchtlingen zu uns. Zum Problem wird dann, wie und wie viele wir integrieren können und wollen. Aber je länger die zwei bescheidenen Wörter des Mottos wirken, desto spannender werden sie - und zunächst mit dem, was fehlt: nämlich ausgerechnet das Ausrufezeichen. "Suche Frieden" ist also gar keine Aufforderung einer höheren Instanz. Vielmehr kommt darin ein Bedürfnis zum Ausdruck; der, der den Frieden sucht, bin ich. Die nächste Frage, die sich dann stellt: Welcher Frieden ist es überhaupt? Den daheim, den im Leben, den mit sich selbst, den in der Welt? Vielleicht wird der eine Frieden ohne den anderen nicht zu haben sein. Der Psalm 34 wird noch spannender, wenn man die ganze Zeile betrachtet: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Irgendwo gibt es den Frieden also doch. Aber flüchtig oder gefährdet scheint er zu sein, denn warum sollte ich ihm so sportlich "hinterherjagen"? Plötzlich verliert der Frieden alle ruhige Beschaulichkeit und wird dynamisch.

Das Motto des Katholikentags ist bei genauem Hinsehen vielschichtiger als man denkt.

Ein scheinbar gemütlicheres Motto hätte man zum Katholikentag nächste Woche in Münster kaum finden können: "Suche Frieden". Dass die beiden Worte dem Psalm 34 entstammen, ist ebenso unspektakulär. Denn es gibt nur wenige Wünsche und Gebote in der Bibel, die so häufig sind wie jene nach Frieden. Es scheint, als seien Friedensformeln derart inflationär, dass sich eine gewisse Verdrossenheit breitmacht unter den Menschen, vor allem unter uns, die wir Frieden seit Jahrzehnten hierzulande mit großer Selbstverständlichkeit hinnehmen. Die Ausläufer der vielen Kriege und Konflikte gelangen lediglich mit den Flüchtlingen zu uns.

Zum Problem wird dann, wie und wie viele wir integrieren können und wollen. Aber je länger die zwei bescheidenen Wörter des Mottos wirken, desto spannender werden sie - und zunächst mit dem, was fehlt: nämlich ausgerechnet das Ausrufezeichen. "Suche Frieden" ist also gar keine Aufforderung einer höheren Instanz. Vielmehr kommt darin ein Bedürfnis zum Ausdruck; der, der den Frieden sucht, bin ich.

Die nächste Frage, die sich dann stellt: Welcher Frieden ist es überhaupt? Den daheim, den im Leben, den mit sich selbst, den in der Welt? Vielleicht wird der eine Frieden ohne den anderen nicht zu haben sein. Der Psalm 34 wird noch spannender, wenn man die ganze Zeile betrachtet: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Irgendwo gibt es den Frieden also doch. Aber flüchtig oder gefährdet scheint er zu sein, denn warum sollte ich ihm so sportlich "hinterherjagen"? Plötzlich verliert der Frieden alle ruhige Beschaulichkeit und wird dynamisch.

Wie sehr schätze ich am Ende des Gottesdienstes den Friedensgruß, den man mit allen Nachbarn teilt. Persönliche Friedenswünsche, die man gibt und die man bekommt. Und die einen auffordern, eben keine Ruhe zu geben.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(los)
Mehr von RP ONLINE