Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, sich selbst kennenzulernen.

Kolumne Gott und die Welt : Wahrhaftig leben

Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, sich selbst kennenzulernen.

Jetzt ist es fast schon geschafft: Die Zeit des Fastens und des Verzichts nähert sich mit der 5. Woche langsam ihrem Ende. Eine erste Bilanz zu ziehen erscheint dennoch fremd. Weil die Fastenzeit kein „Ergebnis“ verträgt, weder Sieg noch Niederlage, sondern allenfalls Erfahrungen und neue Anregungen.

Im Fastenkalender der Evangelischen Kirche finde ich für den 6. April einen Text zum wahrhaftigen Leben. Das ist ein ziemlich großer Begriff: wahrhaftig sein. Es hat mit Wahrheit zu tun und mit dem eigenen Verhalten. Wahrhaftig leben möchte jeder, am besten jeden Tag. Doch wie schwer ist es? Damit sind jetzt noch keine Lügen oder Verstellungen gemeint, sondern nur unsere normalen Reaktionen auf die Anforderungen des täglichen Lebens.

Sind wir immer wahrhaftig im beruflichen Umfeld? Tatsächlich auch bei offiziellen Anlässen? Oder in der Erziehung? Natürlich passen wir uns an verschiedene Situationen an! Wir sprechen nicht immer gleich.

Die Frage ist aber, ob wir uns in all diesen sehr unterschiedlichen Lebenslagen selbst dabei erkennen und erkennbar bleiben. Zu beantworten ist das nur, wenn man sich selbst halbwegs kennt, noch vorsichtiger formuliert: wenn man sich selbst vertraut ist. Das heißt auch, dass man sich selbst traut. Vielleicht meistert man nur so all die unterschiedlichen Situationen, denen wir permanent ausgesetzt sind und denen wir uns aussetzen.

Die etwas ruhigere Fastenzeit ist eine gute Chance, intensiver mit sich zu sein und sich selbst so besser kennenzulernen. Wahrhaftiges Leben hat auch mit Überzeugungen zu tun, mit persönlichen Werten. Wer die für sich formulieren kann, ist gewappnet gegen jede Schauspielerei – selbst wenn wir glauben, dass sie uns abverlangt wird.

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Autor: kolumne@rheinische-post.de

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