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Gott Und Die Welt: Deutschland soll Land der Buchverschenker werden

Gott Und Die Welt : Deutschland soll Land der Buchverschenker werden

Die Buchbranche hat eine neue Werbekampagne gestartet, die darauf zielt, das Buch als Mitbringsel-Geschenk zu etablieren. Die ärgsten Konkurrenten sind Pralinen, Blumen und Alkohol.

Erst hat die Buchbranche eine Umfrage und dann die schreckliche Erfahrung gemacht, dass Menschen, die kurzfristig eingeladen werden, selten zum Buch als obligates Gastgeschenk greifen. Stattdessen tanzen sie mit Pralinen an oder Blumen oder Alkohol. Das sind alles keine Mitbringsel mit gefälliger Perspektive: Pralinen machen dick, die Blumen verwelken und der Alkohol macht trunken und möglicherweise gar süchtig.

Ein Buch hingegen macht klug und gescheit (bis auf das von Sarrazin); es unterhält (mal abgesehen von den Grass-Werken) und ist hernach eine Zierde in jedem Wohnzimmerregal — bis auf den großformatigen Bildband aller Fußballweltmeisterschaften. Schon diese Einschränkungen deuten an, warum das Buch — obgleich umstandslos zu beschaffen, leicht zu verpacken und problemlos zu transportieren — zum schwierigen Blitzgeschenk werden könnte. Denn man sollte am besten wissen, was in dem Buch steht, wozu man es gelesen haben müsste.

Man müsste überdies bedenken, welcher Literaturgeschmack dem Gastgeber zu eigen ist. Und schließlich wäre es nicht überflüssig zu realisieren, in welchem gesellschaftlichen Kontext das Buch überreicht wird. Kurz und gut: Man muss viel wissen. Damit ist aber kein Werbefeldzug zu gewinnen.

Also hat die Buchbranche bei ihrer Kampagne skurrile Attraktivitätsboni verteilt. Auf Postkarten ist nun das zu lesen: "Buchverschenker sind flippiger"; "Buchverschenker sind wilder" (diese Karte hat tatsächlich eine Tigerfellanmutung); "Buchverschenker sind schmusiger"; "Buchverschenker sind inspirierter"; "Buchverschenker sind schärfer", "Buchverschenker sind voll süß". Warum das so ist, sagt keiner. Es interessiert ja auch nicht, weil es bei dieser Kampagne gar nicht ums Lesen geht, sondern ums Geschäft.

Eine ehrliche Kampagne müsste darum lauten: Los, kauf endlich ein Buch, und was du damit anstellst, ist uns egal. Nur kauf es, statt immer nur zu doofen Pralinen, welkenden Blumen und zu gefährlichem Alkohol zu greifen. Auf dass Deutschland zum Land der Dichter, Denker und Buchverschenker werde.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)