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Gott Und Die Welt: Der Wandel des Handels nach dem Weihnachtsfest

Gott Und Die Welt : Der Wandel des Handels nach dem Weihnachtsfest

Die jüngste Preisstudie ergab: Geschenktypische Konsumgüter sind nach Weihnachten billiger geworden. Was also tun? Darauf gibt es – wie so oft – verschiedene Antworten.

Die jüngste Preisstudie ergab: Geschenktypische Konsumgüter sind nach Weihnachten billiger geworden. Was also tun? Darauf gibt es — wie so oft — verschiedene Antworten.

Seitdem die Menschheit Lesen und Schreiben und bisweilen auch das Denken gelernt hat, war sie unterschiedlichen geistigen Einflüssen ausgesetzt. Mal gaben Kirche und Bibel den Ton an, dann vielleicht Kant und Voltaire, später Marx und Engels, noch später Micky Maus und Donald Duck. In der vorangeschrittenen und noch wacker voranschreitenden Durchökonomisierung unseres Lebens gibt es ganz neue Kraftzentren, die uns Orientierung im nicht immer leichten Leben versprechen: Das sind die Verbraucherportale, die mit ihren Preisvergleichen und den darauf folgenden Erkenntnissen uns immer wieder vor Augen führen, dass die Existenz erstens eine insgesamt wacklige Angelegenheit sein kann und zweitens der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788—1860) wieder einmal recht hatte, als er sich — möglicherweise nach einer Frankfurter Gassi-Runde mit seinem Pudel — Folgendes dachte und sogleich für uns Nachgeborene notierte: "Das Geld gleicht dem Seewasser. Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man." Bei den jüngsten Preisstudien für Verbraucher jedenfalls gab es die Entdeckung, dass nach den Weihnachtsfeiertagen die Preise "geschenktypischer Konsumgüter" im Einzelhandel um drei und bei Online-Händlern sogar um vier Prozent gesunken sind; besonders eklatant bei Computer-Zubehör, Kosmetik sowie Kameras. Das liefert zugleich ein nachträgliches Stillleben davon, wie es unter deutschen Weihnachtsbäumen in diesem Jahr ausgesehen haben könnte. Nur Spielekonsolen blieben auch nach dem Fest preisstabil, was wiederum ein Beleg ihrer absoluten Lebensnotwendigkeit ist. Aus unserer allgemeinen Lebenserfahrung können wir die Preisstudie aber auch erweitern mit nicht allzu waghalsigen Thesen zu zwei anderen Warengruppen. So dürften unmittelbar nach den Feiertagen der Verkauf von Weihnachtsbäumen brutal eingebrochen und die studentische Jobbörse für Weihnachtsmänner praktisch zum Erliegen gekommen sein — inklusive einem Preisverfall ins Bodenlose. Was aber heißt das für uns Verbraucher? Mit Baum, Weihnachtsmann und Geschenken ganz ab- und aufgeklärt bis nach dem Fest warten? Schwierig. Doch bietet sich vielleicht noch ein anderer Weg. Nachdem mancherorts Weihnachtsmärkte forsch bis zum Jahresende verlängert wurden, dürfte man demnächst auch über eine Ausweitung der Feiertage nachdenken müssen. Dem Verbraucher zuliebe. Zugegeben, das klingt mehr als kurios. Doch sollten wir auch diesmal Herrn Schopenhauer Gehör schenken: "Ein neuer Gedanke wird zuerst verlacht, dann bekämpft, bis er nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt."

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(RP)