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Gott und Die Welt: Das Phänomen unserer Arbeitswelt - der Brückentag

Gott und Die Welt : Das Phänomen unserer Arbeitswelt - der Brückentag

Was bedeuten uns eigentlich noch Feiertage? Dass sie kaum mehr sind als ein Freizeitvergnügen, dokumentieren die sogenannten Brückentage. Denn sie kennen nur noch den Unterscheid zwischen freier Zeit und Arbeitszeit.

Die heimlichsten Feiertage hierzulande sind die sogenannten Brückentage. Sie sind in unserer Arbeitswelt auch die verruchtesten, und fast ein wenig verboten. Wer einen Brückentag nimmt, also zwischen Feiertagen einen Urlaubstag platziert, kreiert mit geringem Einsatz eine arbeitsfreie Strecke, gegen die rechtlich zwar nichts einzuwenden ist, die moralisch aber prekär erscheint. Vor allem aus Sicht derjenigen, die am Brückentag brav zur Arbeit dackeln, weil sie es entweder versäumt haben, rechtzeitig den freien Tag zu beantragen, oder nicht die Chuzpe besaßen, diesen Freizeitvorteil zu nutzen. Brückentage sorgen also immer auch für Unruhe im Unternehmen; und es soll Zeitgenossen geben, die im Januar die Qualität des bevorstehenden Jahres an der Zahl möglicher Brückentage bemessen. Dazu zählt auch der gestrige Tag, der ja eine recht fiese Lücke zwischen dem 1. Mai - dem Tag der Arbeit - und dem Wochenende geschlagen hat.

Brückentage sind aber nicht nur ein Spiel um möglichst viel freie Zeit. Sie dokumentieren mit ihren Namen auch eine gewisse Not. Als müsse man sich von einem freien Tag zum anderen herüberretten, während unter einem der reißende Fluss oder finstere Abgrund des Tätigseins liegt. Brückentage haben also vordergründig nicht die freie Zeit und deren schöne Gestaltung im Blick. Sie definieren sich zunächst nur über die Abwesenheit von Arbeit. Das zeigt sich manchmal dann auch darin, dass viele mit der glücklich gewonnenen freien Zeit nicht so recht etwas anzufangen wissen und dann doch nur wieder das machen, was sie immer machen.

Brückentage spannen den Bogen von freier Zeit über die Arbeitszeit hinweg. Sie sind in gewisser Weise sinnentleert, gehorchen einem kalendarischen Kniff, mehr nicht. Vor allem sagen sie nichts mehr über den Kontext aus, der sie überhaupt erst ermöglichte, die eigentlichen Feiertage also. Das Phänomen der Brückentage ist eng verknüpft mit dem Bedeutungsverlust der Festtage. Nicht nur die Teilnehmerzahlen an den Mai-Demonstrationen dokumentieren das. Auch das bescheidene Engagement an unseren kirchlichen Feiertagen zeigt, wie aus dem, für das einmal gerungen und das mit Inhalt erfüllt wurde, kaum mehr als ein Freizeitvergnügen geworden ist. Dafür steht eben auch der Brückentag, der über die Unterscheidung von Freizeit und Arbeitszeit hinaus nichts anderes mehr kennt.

Und noch eine schlechte Nachricht: Der nächste Mai-Brückentag ist erst 2018, wenn der Tag der Arbeit auf einen Dienstag fällt.

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(RP)