Niederlage des deutschen Teams bei der Weltmeisterschaft

Gesellschaftskunde : Gnädig sein mit sich selbst

Niederlagen wie das WM-Aus sind bitter. Und sie fordern Frustrationstoleranz.

Nun fällt es schwer, im Fußball keine Metapher zu sehen, das Ausscheiden der deutschen Mannschaft nicht als symptomatisch zu empfinden für ein Land, das zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, sich in den falschen Problemen verbeißt, und dabei nicht merkt, dass es im Großen hapert. Fußball ist nun mal der Sport in Deutschland, in dem sich die gesamte Nation spiegelt – an guten wie an schlechten Tagen.

Doch zu einer kollektiv empfundenen Niederlage gehört auch das kollektive Durchatmen danach. Und das bedeutet eben nicht, die Fehler wegzuwischen, klein zu reden, von sich zu weisen. Aber genauso wenig in Hader, Selbsthass, Anschuldigungen zu verfallen. Gnädig sein mit sich selbst, das ist wohl die größte Herausforderung in Niederlagen. Denn es verlangt Haltung und Gelassenheit. Und es verlangt den maßvollen Blick auf die Dinge, wie sie sind.

Sich in Enttäuschung und Selbstbezichtigungen hineinzusteigern, kann nämlich auch ein Weg sein, wahrhaftiger Auseinandersetzung mit den Ursachen von Misserfolgen aus dem Weg zu gehen. Wut und Trauer haben ihre Zeit, aber sie helfen nur, Druck abzulassen, wieder ins Gleichgewicht zu finden. Bei der Analyse sind sie hinderlich.

Jeder geht mit Niederlagen anders um, braucht mehr oder weniger Zeit, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, Spannung und Aggressionen abzubauen. Das hängt davon ab, mit wie viel Frustrationstoleranz ein Mensch ausgestattet ist. Wie gut es ihm also gelingt, frustrierende Situationen auszuhalten, ohne ihren Stellenwert, ihre wahre Bedeutung zu verzerren.

Diese Toleranz kann man üben. Und sie wird gestärkt, wenn man einen realistischen Blick auf sich selbst entwickelt, sich nicht überschätzt, nicht für das Maß aller Dinge hält. Dann können Niederlagen zwar auch höchst schmerzvoll sein, aber sie treffen nicht ins Mark.

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