Kolumne Gesellschaftskunde:Lust auf Urlaub oder ein schlechtes Umwelt-Gewissen?

Kolumne „Gesellschaftskunde“ : Lust auf die Welt oder ökologisches Gewissen?

Viele Menschen haben Lust an der Ferne – und ein schlechtes Gewissen wegen der Umwelt. Was zählt mehr?

Die Reise in den Süden ist gebucht. Beglückt teilen die Freunde ihren Kindern mit, dass es diesmal nicht auf den nahen Campingplatz geht, sondern mal richtig weit weg, an einen schönen Strand mit Sonnengarantie. Da könnten sie doch endlich mal mithalten in der Schule. Begeisterung? Kein bisschen. Stattdessen beginnt eine längere Diskussion über Kerosinsteuer, Billigflieger, Bettenburgen. Auch Reisen ist inzwischen eine Frage der Verantwortung und des ökologischen Gewissens geworden.

Natürlich war das schon immer so. Dass Vielfliegerei der Umwelt schadet und Hotelfronten urwüchsige Küstenlandschaften verschandeln, wissen wir schon lange. Doch mit der Klimabewegung ist ein neues Verständnis für die Verantwortung jedes Einzelnen entstanden. „Das machen doch alle“ zieht nicht mehr, denn immer mehr Leute begreifen, dass sich große Krisen aus kleinen Entscheidungen zusammensetzen. Und die trifft jeder Einzelne.

Allerdings ist Reisen ein spezielles Thema. In vielen Konsumbereichen gibt es inzwischen ökologische Alternativen, man muss nicht mehr Plastikverschweißtes einkaufen und Sojaprodukte oder Biofleisch stillen auch die Lust auf Grillwurst und Steak. Fernweh aber lässt sich nur durch Fernreisen stillen. Und es ist nichts Schlechtes daran, neugierig auf die Welt zu sein.

Es wäre falsch, nur noch mit schlechtem Gewissen in die Welt aufzubrechen. Das hält die Abgase auch nicht zurück. Jeder ist aber gefordert, auch beim Reisen bewusst zu entscheiden, wie und wohin man aufbricht. Auch ein entferntes Ziel ist etwa mal mit dem Zug zu erreichen, wenn es doch darum geht, Land und Leute kennen zu lernen. Konsumieren, nur weil man es kann, ist auch beim Reisen nicht mehr zeitgemäß.

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