Jüdische Aktionswoche der CDU : Wir stellen vor: das Judentum

Bei einer aktuellen CDU-Kampagne „Schabbat zu Schabbat – Jüdisches Lebens in Deutschland“ stellen sechs CDUler sechs der wichtigsten Feiertage im Judentum vor. Die CDU-Aktion gegen Antisemitismus ist gut gemeint, aber schlecht gemacht.

Dass jüdisches Leben in Deutschland nach dem Holocaust überhaupt wieder in größerem Umfang möglich ist, das mag, wer mit dem Wort etwas anfangen kann, als Wunder bezeichnen. Sich für dieses Leben eine wie auch immer geartete Normalität zu wünschen, ist nur zu verständlich – es ist aber angesichts der Geschichte naiv. Die CDU hat dafür ein weiteres Beispiel geliefert. Die Partei startete in den sozialen Netzwerken eine Aktionswoche – gegen Antisemitismus, für ein besseres Miteinander. Sehr gut und unbedingt lobenswert.

Fragwürdig ist die Umsetzung: Ohne Klischees geht es nicht, etwa den unvermeidlichen Musikabend, und dann stellen sich sechs prominente Christdemokraten hin, um jüdische Feiertage „vorzustellen“ (so der Text – allerdings geschieht das kommentarlos): Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hält einen neunarmigen Leuchter in die Kamera (Chanukka!), Generalsekretär Paul Ziemiak präsentiert ein Widderhorn (Rosch HaSchana!), Stefan Evers aus Berlin tritt, gleichsam als Höhepunkt des Ganzen, im Gebetsmantel auf (Jom Kippur!).

Der Gesamteindruck ist einigermaßen verstörend, eine Mischung aus Kaffeefahrt, Karneval und Kulturwissenschaft. Warum nur stehen da Parteipolitiker und keine Juden, die ihre Religion erklären? Warum überhaupt wird da das Judentum „vorgestellt“ wie im Ethnologie-Seminar? Manche Reaktionen unter dem Post weisen in diese Richtung („Ich finde die jüdischen Bräuche sehr spannend“, „Da erfährt man auch mal was über andere Religionen und deren Lebensweisen“). Das Judentum wird so zum erklärungsbedürftigen Fremden, was dem ganzen Zweck der Aktionswoche fatal zuwiderläuft.

Der Spruch vom gut Gemeinten, aber nicht gut Gemachten ist sehr, sehr abgegriffen. Aber selten war er so wahr.

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