Frauensache: Wie fest die Gesellschaft in Frauenhand ist

Frauensache : Wie fest die Gesellschaft in Frauenhand ist

Die Frauen sind schon längst der Opferrolle entwachsen – auch wenn das von vielen Feministinnen nicht registriert wird. Umso mehr irritiert ein Vorstoß aus Rheinland-Pfalz, wo der Anteil von Frauen in den Kreistagen und Stadträten zu einer Posse gerät.

Die Frauen sind schon längst der Opferrolle entwachsen — auch wenn das von vielen Feministinnen nicht registriert wird. Umso mehr irritiert ein Vorstoß aus Rheinland-Pfalz, wo der Anteil von Frauen in den Kreistagen und Stadträten zu einer Posse gerät.

Cato, ein römischer Staatsmann hat die Frauen gefürchtet. Heute, 2160 Jahre nach seiner Zeit, lässt sich sagen: zu Recht. "Der Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein", prophezeite er. Obwohl Frauen auch im Jahr 2014 immer noch weniger verdienen als Männer, sie in den Chefetagen in der Minderheit sind und Kindererziehung nach wie vor mehr ihre als seine Sache ist — die gesellschaftliche Hegemonie ist längst in Frauenhand.

"Frau ist in, Mann ist out, sie ist moralisch im Haben, er im Soll, ihm gehören schuldbeladene Vergangenheit, ihr frei schweifende Zukünfte", so formuliert es die "Zeit", die dem Mann ein eigenes Heft gewidmet hat. Auf dem Cover: Kermit der Frosch als Prototyp des modernen Mannes — ein Anführer von der weichen Sorte, Softskills statt Testosteron.

Kermits Partnerin und zugleich Gegenspielerin ist Miss Piggy. Die Frau von heute als Schwein? Nun, der Feminismus von heute hat durchaus etwas Piggy-haftes: Er ist larmoyant, laut, maßlos. Sein Einsatz für Gleichberechtigung hat immer weniger mit der Balance zwischen den Geschlechtern zu tun. Vielmehr fordert er in selbstzufriedener Selbstgewissheit, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen, eine Privilegierung des Weiblichen.

Dahinter steht das überholte Frauenbild des Opferdaseins. Doch Frau ist längst der Opferrolle entwachsen, auch weil mittlerweile die Mehrheit der Wahlberechtigten in Deutschland weiblich ist. Nicht von ungefähr hat die Union bei der Bundestagswahl mit der Mütterrente geworben. Ebenso wie eine der ersten großen Taten der großen Koalition die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote gewesen ist. Doch ist der Grad zwischen richtiger Frauenförderung und falscher Klientelpolitik ein schmaler, wie sich jetzt etwa in Rheinland-Pfalz gezeigt hat. Dort wollte die rot-grüne Regierung auf den Stimmzetteln für die Kommunalwahl den geringen Frauenanteil in den Kreistagen und Stadträten angeben. Flankiert von dem Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" sollte so zum Frauen-Wählen animiert werden. Das allerdings hat mit Gleichberechtigung nichts zu tun: Die Wahlentscheidung über die Politik vor Ort zu einer Mann-Frau-Nummer machen zu wollen, ist ebenso unlauter wie albern. Jetzt hat das Landesverfassungsgericht dieses Vorhaben gestoppt. Dass der Missbrauch der Gleichberechtigung als Frauenbevorzugungsprogramm durch Richter unterbunden werden muss — da wäre wohl selbst Cato in fassungsloses Schweigen verfallen.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)
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