Frauensache : Wenn Politiker Freunde sind

Berlusconi und Gaddafi waren es einst, Schröder und Putin sind es noch: Freunde. Ihr Miteinander soll vor allem im Kampf gegen Dritte helfen.

Er kam mit 30 Berberpferden, 40 schönen Frauen und einem Beduinenzelt. Seinen Gastgeber nannte er "mio amico" - meinen Freund. Und sein Gastgeber nannte ihn "weiser Mann". Die Rede ist von Muammar Al Gaddafi, Silvio Berlusconi und ihrer Männerfreundschaft.

2008 unterzeichneten beide den italienisch-lybischen Freundschaftsvertrag, Gaddafi reiste regelmäßig zu Berlusconi nach Rom. Dass der Männerbund vor allem auf finanziellen Interessen fußte, schmälerte die Loyalität nicht. Als Gaddafi 2011 in Libyen Demonstranten niederschießen ließ und Berlusconi von Journalisten um eine Stellungnahme gebeten wurde, erklärte Berlusconi, er wolle Gaddafi "jetzt nicht stören". Erst viel später kritisierte dann auch Italien das Vorgehen des libyschen Diktators. Es war das Ende einer Männerfreundschaft. Gaddafi wurde getötet und Berlusconi schiebt nun wegen Steuerbetrugs Sozialdienst im Altenheim.

Einen "weisen Mann" hat Gerhard Schröder den russischen Präsidenten Wladimir Putin zwar nie genannt, aber immerhin einen "lupenreinen Demokraten". Jetzt feierten beide in St. Peterburg fröhlich den 70. Geburtstag Schröders nach. Als sich im März die Krim-Krise zuspitzte, sagte Schröder zwar nicht, er wolle Putin "jetzt nicht stören" - aber verurteilen wollte er ihn auch nicht. Schließlich habe er, Schröder, in seiner Amtszeit auch schon einmal gegen Völkerrecht verstoßen: Zu Beginn des Jugoslawienkonflikts habe er deutsche Flugzeuge nach Serbien geschickt und die hätten "einen souveränen Staat gebombt, ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte".

Wissenschaftler haben Männerfreundschaften bei den Makaken-Affen erforscht und festgestellt, dass Männchen, die eine enge Bindung zu einem anderen männlichen Artgenossen knüpfen, es in der Hierarchie ganz nach oben schaffen - vor allem, weil ihr bester Freund zuverlässig im Kampf gegen Dritte hilft. Klingt ein wenig nach Schröder und Putin.

Dumm für den Jung-Makaken Philipp Mißfelder, der auch in St. Petersburg mitfeierte, dass solche Freundschaften eine Zweiergeschichte sind.

(RP)
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