Frauensache: Was die "Schwarzwaldklinik" lehrt

Frauensache : Was die "Schwarzwaldklinik" lehrt

Ein Blick in alte Fernsehserien bringt manch überraschende Erkenntnis: Noch vor 20 Jahren waren Mütter, die Karriere machen, keine Vorbilder, sondern ein Fall für den Psychologen. Heute sind wir ins andere Extrem gefallen.

Zu Anfang wird es ein wenig retro - es geht zurück in die Zeit, als die "Schwarzwaldklinik" der Sehnsuchtsort der deutschen Fernsehnation war. Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann - die älteren Leser werden jetzt wohl voller Erinnerungen seufzen; den jüngeren sei gesagt: Das Krankenhaus in der Nähe des Titisees war unser "Emergency Room" und Wussow der deutsche George Clooney.

Aus nostalgischer Sentimentalität habe ich mir die "Schwarzwaldklinik"-Folgen noch einmal angeschaut - und bin in einer anderen Welt gelandet.

Große Fernsehserien sind immer auch ein Spiegel ihrer Zeit: Die "Schwarzwaldklinik" erzählt von dem Lebensgefühl der späten 80er, von einer Gesellschaft, die heute wohl in vielen Punkten als frauenfeindlich gelten würde. Die Aufschreierinnen jedenfalls würden aus dem Aufschreien gar nicht mehr herauskommen. Hier exemplarisch eine Szene, die für den gesellschaftlichen Common Sense von damals steht: Christa Brinkmann, Gattin des Professors, Mutter seines zweijährigen Sohnes und ebenfalls Ärztin, macht in der Forschung Karriere und arbeitet dafür unter der Woche in einer anderen Stadt. Ihr Mann leidet, der Sohn leidet - und auch der Zuschauer. Nachdem der Kleine immer wieder Fieberanfälle und Bauchkrämpfe bekommt, stellt der Kinderarzt folgende Diagnose: "Ihr Sohn verkraftet Ihre Abwesenheit nicht. Auch die Seele eines Kindes kann, wenn sie mit etwas seelisch nicht fertig wird, körperlich protestieren. Es sind Notsignale. Hängen Sie Ihren Beruf an den Nagel. Ihr Sohn braucht Sie täglich mehrere Stunden." Bäm!

Mir war nicht bewusst, dass noch vor zwei Jahrzehnten karrieremachende Mütter keineswegs Vorbilder einer selbstbestimmten Weiblichkeit waren, sondern ein Fall für den Kinderpsychologen. Wie rasant hat sich doch unser Frauenbild gewandelt: Heute unternimmt der Staat mit Frauenquote, Elterngeld und Ausbau von Kitaplätzen alles, um aus Berufstätigen Mütter und aus Müttern Berufstätige zu machen. Musste vor 20 Jahren Frau Doktor Brinkmann ob ihres Jobs noch ein ärztlich attestiertes schlechtes Gewissen haben, so ist es heute umgekehrt: Rechtfertigen müssen sich die Betreuungsgeld-Mütter, die nur Kinder haben, aber keine Karriere.

Das ist das Extrem unserer Zeit: Die staatliche Unterstützung von Frauen, die den Wunsch haben, ihr Kind in den ersten drei Lebensjahren selbst zu erziehen, wird als "Herdprämie" verunglimpft, als Frauen-vom-Arbeitsmarkt-Fernhaltemaßnahme geschmäht. Gesund ist das auch nicht.

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(RP)