Kolumne Frauensache: Warum sollen Männer nicht eitel sein?

Kolumne Frauensache : Warum sollen Männer nicht eitel sein?

Jürgen Klopp hat mit seinem entspannten Bekenntnis zu seiner Haartransplantation einen Beitrag zur Emanzipation des männlichen Geschlechts geleistet.

Wir Deutschen sind ziemlich gut im Export, im Fußball und im Haar-in-der -Suppe-finden. Weniger gut sind wir, wenn es um das Haupthaar von Fußballtrainern geht: Jürgen Klopp hat jetzt die Haare schön, hat seinen Geheimratsecken durch eine Transplantation den Garaus gemacht. Und Fußballdeutschland hatte nichts Besseres zu tun, als tagelang zu spotten und zu sticheln: Mädchenhaft eitel sei Klopp. Der kernige BVB- Trainer — ein Mädchenmann, weil er sich ein paar Haare hat verpflanzen lassen?

Klischees sind zäh wie altes Schweineschnitzel, das gilt offenbar nicht nur für das weibliche Geschlecht, sondern auch für Mannsbilder. Die Fußballbundesliga ist — trotz vieler weiblicher Fans und einiger weiblicher Moderatorinnen — immer noch ein Sport von Männern für Männer. Und auf dem Feld sind natürlich echte Kerle unterwegs, die von genauso echten Kerlen trainiert werden. Die taillierten Hemden von Bundescoach Jogi Löw sind da die absolute Schmerzgrenze an Chi-chi. Im Fußball wird der Anschein eines Horts der Männlichkeit gewahrt. Das ist wohl auch der Grund, warum es offiziell keine schwulen Profifußballer gibt. "Schwulsein ist im Fußball — anders als in der Politik und im Showgeschäft — immer noch ein Tabuthema", hat Philipp Lahm einmal gesagt. Deshalb rate er Profifußballern von einem Outing ab.

Fußball, das ist pures Mannsein, Kampf, Körpereinsatz und Schweiß. Eben Kojak und nicht Jürgen Klopp. Aber mal ehrlich, nicht jeder Mann ohne Haupthaar ist automatisch ein Telly Savalas. So hat es Jürgen Klopp offenbar auch gesehen und sich die Haare geholt, die ihm gefehlt haben. "Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden", sagt er. Das ist entspannt eitel. Vor ein paar Jahren hat ein Bundeskanzler einmal eine Nachrichtenagentur verklagt, weil sie behauptet hat, er würde seine Haare tönen. Das ist verbissen eitel.

Klopps Haartransfer jedenfalls ist ein weiterer Beitrag für die Emanzipation des männlichen Images vom Mammutjäger und Fellträger. Weinen, Spülen, Hautcremes und Kinderbetreuung, einst Weibergedöns, sind mittlerweile längst auch Männersache. Seit Jürgen Klopps Haarouting ist nun auch die Eitelkeit endgültig kein weibliches Privileg mehr. Bleibt zum Schluss nur noch ein Wort zum Fußball: Ich drücke Klopp und seiner Elf für das Champions-League-Spiel am Mittwoch die Daumen. Macht sie nieder, die Jungs von L'Oréal Madrid. Tschuldigung, Real Madrid.

(RP/das/jre)
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