Kolumne: Frauensache : Vorbild von der Leyen

Kein Politiker in Deutschland versteht es wie Ursula von der Leyen, ein Amt so sehr mit der eigenen Person einzunehmen und zugleich die eigene Person so sehr dem Amt anzupassen.

Sah ein Soldat ein Röschen stehn - so lässt sich frei nach Goethe die bildhafte Inszenierung Ursula von der Leyens als Verteidigungsministerin betiteln, mancher spricht gar von einer Re-Guttenbergisierung des Bendler-Blocks. Da steht von der Leyen im Morgengrauen auf einem Flugplatz in Schleswig-Holstein, in schnittig-schwarzer Jeansjacke, die Arme vor der Brust verschränkt, im Hintergrund eine Transall der Bundeswehr kurz vor dem Start Richtung Irak. Top-Gun-Getue wird ihr nun vorgeworfen, Posing in eigener Sache mit Kriegsgerät als Kulisse - doch die Botschaft der Bilder ist angekommen: hier steht eine, die entschlossen ist zu führen.

Anfangs wurde von der Leyen, die erste Frau im Verteidigungsministerium, noch belächelt für ihre Pläne von einer attraktiveren Bundeswehr, familienfreundlich und komfortabel mit Teilzeitarbeit, Kitas auf dem Kasernengelände und Flachbildfernsehern auf der Stube. Doch die Frau, die vor wenigen Wochen noch Bundeswehr-Kitas einweihte, spricht jetzt von Waffenlieferungen in den Nordirak, von Deutschlands Verantwortung in der Welt. "Die Kriegsministerin", hat das Magazin "Stern" sie genannt.

Kein Politiker in Deutschland versteht es wie Ursula von der Leyen, ein Amt so sehr mit der eigenen Person einzunehmen und zugleich die eigene Person so sehr dem Amt anzupassen. Als sie 2005 Bundesfamilienministerin wurde, da war sie die siebenfache Mutter und die promovierte Ärztin, konservatives Familienideal und progressives Frauenbild zugleich. Sie machte das Private politisch und inszenierte sich als der lebende Beweis für die Richtigkeit ihrer Politik: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

2009 wurde sie Bundesministerin für Arbeit und zur Verfechterin der Frauenquote. Sie, die mit dem Elterngeld die Familienpolitik der Union revolutioniert hatte, trieb nun ihre Nachfolgerin - die glücklose und postfeministische Christina Schröder - vor sich her. Mittlerweile ist Christina Schröder weg und die Frauenquote kommt.

Nun ist zu beobachten, wie von der Leyen ihr Amt der Weltlage anpasst und sich selbst ihrem Amt: von der Verteidigungsministerin fürs Familiäre will sie zur Oberbefehlshaberin für das Militärische werden. Sie hätte auch "kuschelig-warme Familienministerin bleiben" und weiter Mehrgenerationenhäuser einweihen können, wird sie zitiert. Das eigene politisch Geleistete im Nachhinein klein zu machen - das ist brutalstmögliche Anpassung und unbedingter Machtwille zugleich. Was für ein Bild von einer Frau.

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(RP)